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»Guten Morgen, Herr Elster.« – Seltsame Aberglauben weltweit

Autorin Bianca Demsa stellt euch im sisterMAG verrückte Aberglauben aus aller Welt vor. Einige von uns haben uns wirklich überrascht! An welche verrückten Aberglauben glaubt ihr?

»Guten Morgen, Herr Elster. Wie geht es heute Ihrer Frau?«

Seltsamste Aberglauben weltweit

Schon als ich meine Hochzeit für den 1. April plante, hatte ich so meine Bedenken. Andererseits glaubte ich nicht an unsinnigen Aberglauben. Als ich dann aber, fünf Jahre später, tatsächlich geschieden war, sah ich den Aberglauben mit anderen Augen – er hatte sich bewahrheitet.

Als Kind und Jugendliche wuchs ich in England auf. Dort gab es den Glauben, man solle einzelne Elstern sowie zerbrochene Spiegel meiden. Als ich von einem Schulausflug eine Pfauenfeder mitbrachte, wollte meine österreichische Mutter diese unter keinen Umständen im Haus haben. Aber wie sieht es aus mit dem Aberglauben in anderen Ländern?

Deutschland 

Als ich nach Deutschland zog, lernte ich den Glauben kennen, dass man sich beim Anstoßen in die Augen schaut, um sieben Jahre Beziehungsstress und dazu auch noch schlechten Sex zu vermeiden. Und wehe, man gratuliert jemandem VOR seinem Geburtstag! Das bedeutet nämlich, dass dessen Geburtstagswünsche nicht in Erfüllung gehen. Wo ich herkomme, ist ein schnelles »Prost« in einer lustigen Runde durchaus erlaubt, genauso wie ein »Happy Birthday« vor, während und nach dem Anlass.

England 

Kommen wir zu den Elstern. Diese Vögel treten normalerweise als Pärchen auf. Wenn ihr also zufällig auf eine einsame Elster trefft, dann ist es am sichersten, den Vogel mit einem »Guten Morgen, Herr Elster, wie geht es Ihrer Frau heute?« zu begrüßen. Nur so werdet ihr vor einem schrecklichen Schicksal an diesem Tag bewahrt. Wenn ihr dann noch hinzufügt:  »Einer zur Trauer, zwei zur Freude«, dann habt ihr eure Freundschaft angeboten, und die Elster wird euch nicht bestehlen.

Spanien 

In Deutschland ist Freitag, der 13., oft der Unglückstag, den ihr am besten meiden solltet. Für die Spanier allerdings ist dieser Tag Dienstag, der 13. Wenn man also daran glaubt, dann sind Reisen und Hochzeiten an diesem Tag strengstens verboten. Apropos Reisen zu Fuß: Betretet und verlasst einen Raum immer nur mit dem RECHTEN Fuß.

Italien 

Was sich wie ein lustiger Zufall anhört, ist in Italien ein absolutes Tabu: Sagt niemals zeitgleich mit einer Freundin das gleiche Wort. Wenn ihr das tut, werdet ihr als alte Jungfer enden. Allerdings hilft es, euch sofort an die Nase zu fassen, um dieses schlechte Omen rückgängig zu machen. Welch ein Glück…

Schweden 

Tretet ihr in Schweden auf eine Spinne oder bringt sie anderweitig zu Tode, dann wird es am nächsten Tage regnen. Wenn ihr nun zwangsläufig aufgrund der vielen Spinnen euer Haus verlassen müsst, dann stellt sicher, dass ihr nicht auf einen Gully mit einem A tretet. Denn das steht z.B für »arbetslöshet« –  Arbeitslosigkeit – oder »avbruten kärlek« – die verlorene Liebe.

Frankreich 

In Frankreich sollte euch kein Vogel durch ein Fenster anschauen, das bringt nämlich Unglück. Auf der anderen Seite gilt es bei Franzosen als Glück, mit dem linken Fuß in einen Hundehaufen zu treten.

Türkei 

In der Türkei dürft ihr eine Schere oder ein Messer nur indirekt anbieten, so dass sie von jemandem aufgehoben werden muss, denn sonst werdet ihr zu Feinden. Sollte dieses Missgeschick dennoch passieren, könnt ihr jederzeit einen Feigenbaum vor dem Haus des anderen pflanzen. Aber wehe, er fällt das Bäumchen, das bringt dann doppeltes Pech. Wenn ihr dann obendrein nachts Kaugummi zum Kauen anbietet, dann hat die Person sogar dreifaches Pech. Dort sagt man nämlich, das sei so, als kaue man an einer Leiche. Igitt!

Russland 

Zurück zu den Vögeln: Ihre Hinterlassenschaft, sofern sie auf euch landet, ist ein gutes Zeichen und wird euch »unglaublichen« Reichtum bringen. Verschenkt ihr allerdings gelbe Blumen oder sitzt an der Ecke eines Tisches, dann droht euch Unfruchtbarkeit. Und wehe, ihr pfeift drinnen: Das ist der beste Weg, den Teufel höchstpersönlich zu rufen, der euch eure Geldbörse entleert.

Japan 

Für Japaner bedeutet die Zahl vier Pech. Seid also nicht überrascht, wenn der Aufzug vom dritten direkt in den fünften Stock fährt. Steckt man Essstäbchen von oben in ein Essen, so ist auch das ein Symbol für die arme kleine Vier. In Japan gibt es im Übrigen eine lange Liste von abergläubischen Überzeugungen, darunter das Nicht-Schlafen mit dem Kopf nach Norden, denn so werden die Verstorbenen bestattet. Beliebt ist auch das Verstecken der Daumen beim Vorbeigehen an einem Friedhof, denn das schützt eure Eltern vor einem vorzeitigen Tod. Seine Nägel schneidet man in Japan auch nur tagsüber, wenn man alt werden möchte.

Island 

Wir wissen nicht, woher diese magischste aller Überzeugungen ursprünglich kommt, vielleicht direkt aus der spektakulären Landschaft selber: Die Isländer glauben, dass ihre Insel von Elfen, Feen und Trollen bewohnt wird. Um diese nicht zu stören, werden selbst neue Straßen um die Gebiete dieser Naturwesen gebaut anstatt mitten hindurch. Kennt ihr auch die berühmten Islandpullover? Strickt sie aber bitte nicht draußen, denn das verlängert den Winter.

Die für mich spannendsten Aberglauben möchte ich euch nicht vorenthalten: In Ruanda sollten Frauen das Ziegenfleisch vermeiden, um nicht Haare am ganzen Körper zu bekommen. Schwangere in Korea sollten niemals asymmetrische Lebensmittel essen, denn dann wird das Baby hässlich. Und auch ein schönes Baby sollte man in Nigeria nicht auf die Lippen küssen, sonst wird es lebenslang sabbern.

Zu den gängigen Überzeugungen in fast allen Ländern gehört es, nie unter einer Leiter hindurchzugehen. Dies geht auf das Mittelalter zurück, als eine Leiter den Galgen symbolisierte. Ein bekannter Aberglaube sind auch zerbrochene Spiegel, die sieben Jahre Tränen bringen. Dieser Glaube entstammt Zeiten, als die Menschen Wasser als Spiegel benutzten, um ihr Schicksal darin zu sehen. Damals glaubte man, die Seele im Spiegel erblicken zu können. Wenn nun also der Spiegel zerbrochen war, so war auch ihre Seele zerbrochen, was ein sehr schlechtes Zeichen ist. Die sieben Jahre Unglück stammten ursprünglich aus dem alten Rom. Dort brauchte eine Seele sieben Jahre, um sich zu erneuern.

Was ist nun aber das Gegenmittel gegen all das Unglück? Einfach auf Holz klopfen, da nach altem heidnischem Glauben Götter in Bäumen wohnten. Das Zertrümmern eines Tellers soll durch den Lärm alle bösen Geister abschrecken, und zerbrochene Spiegelstücke müssen tief im Boden vergraben werden. Dann wird alles wieder gut.