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Berühmte Treppen in aller Welt

Eine Stufe nach der anderen – die wenigsten Treppen sind wirklich spektakulär. Einige Exemplare haben aber durch ihre Optik oder ihre Länge Bekanntheit erlangt. Alexander Kords stellt euch im sisterMAG ein paar davon vor.

Spektakuläres Auf und Ab – Berühmte Treppen in aller Welt

Eine Treppe ist eigentlich eine unspektakuläre Sache, dient sie doch lediglich dazu, einen Höhenunterschied auszugleichen. Trotzdem gibt es Exemplare, die es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht haben. Wir stellen euch einige der spektakulärsten Treppen der Welt vor.

Dreifaltigkeit in Treppenform

In Rom gibt es eine Treppe, die auf den herrlichen italienischen Namen Scalinata di Trinità dei Monti hört. Mit dieser Bezeichnung können aber wohl nur ausgewiesene Rom-KennerInnen etwas anfangen. Ganz anders verhält es sich mit dem deutschen Namen: Spanische Treppe. Ihn verdankt die Konstruktion mit den 136 Stufen dem Piazza di Spagna (»Spanischer Platz«), auf den sie führt. Charakteristisch für das Bauwerk ist ihre Dreiteilung, die auf den 68 Metern Länge mehrmals durchbrochen wird. Mit diesem Kniff nahm der Architekt Francesco De Sanctis wenig subtil Bezug auf die Heilige Dreifaltigkeit. Denn oberhalb der Treppe erhebt sich die Kirche Santissima Trinità dei Monti in den Himmel Roms. Seit August ist es übrigens verboten, auf der Spanischen Treppe zu sitzen. Wer es dennoch tut, muss bis zu 400 Euro Strafe zahlen.

Historischer Kinderwagen

Fast 100 Jahre alt ist der Film »Panzerkreuzer Potemkin«, den der russische Regisseur Sergei Eisenstein im Jahr 1925 in die Kinos brachte. Eine der Schlüsselszenen des Streifens1 wird aber nicht nur CineastInnen bekannt vorkommen. Darin schreiten Kosaken mit Gewehren eine Treppe hinab und schießen auf eine Gruppe Aufständischer, die einer nach dem anderen auf die Stufen stürzen. Ikonisch rollt ein Kinderwagen mit einem Baby an den Leichen vorbei die Treppe herunter. Das Bauwerk, auf dem sich dieses filmische Drama abspielte, befindet sich im ukrainischen Odessa und führt vom Hafen ins Zentrum der Stadt. Als es von 1837 bis 1841 errichtet wurde, hatte es noch keinen offiziellen Namen. Der Volksmund bezeichnet es mal als Boulevard- und mal als Richelieu-Treppe. Nichtsdestotrotz wurde es schnell zum Wahrzeichen Odessas, was sich dank »Panzerkreuzer Potemkin« noch weiter verstärkte. Im Jahr 1955 erhielt die Treppe schließlich ihre heutige Bezeichnung, die noch dazu eine Verbindung zum Film herstellt: Potemkinsche Treppe.

Fliesen aus 60 Ländern

Rio de Janeiro hat einige Wahrzeichen: die Christusstatue, den Zuckerhut, die Copacabana – um nur drei zu nennen. In jüngerer Vergangenheit hat sich auch eine Treppe zu dieser Reihe gesellt. Die Escadaria Selarón war ein Ein-Mann-Projekt ihres Namensgebers, des Chilenen Jorge Selarón. Der lebte in einem Künstlerhaus im Stadtteil Santa Teresa und begann im Jahr 1990 damit, die Treppe vor dem Gebäude zu renovieren. Das tat er, indem er schiefe Stufen mit Bruchstücken von blauen, grünen und gelben Fliesen ausbesserte. Schnell wurde aus dem Hobby eine Passion und in den folgenden 23 Jahren bedeckte Selarón die komplette, 125 Meter lange Treppe mit Fliesen, Keramik- und Spiegelstücken. Das Material erhielt Selarón von Besuchern aus aller Welt, insgesamt sind in die Treppe mehr als 2.000 Komponenten aus über 60 Ländern eingearbeitet.

Steiler Aufstieg

Eine Mischung aus Treppen- und Bergsteigen erwartet euch, wenn ihr auf den Gipfel vom Half Dome im kalifornischen Yosemite-Nationalpark gelangen wollt. Die gesamte Tour ist etwa 25 Kilometer lang und überwindet fast 1.500 Höhenmeter. Das Highlight stellen allerdings die letzten 120 Meter dar. Dort sind Löcher in den Felsen gebohrt, um Stufen aus Metall Halt zu geben. Außerdem können sich die mutigen Wanderer an zwei dicken Stahlseilen festhalten. Und das ist dringend nötig, schließlich ist der Aufstieg dort teilweise 45 Grad steil. Weil sich trotzdem immer mehr Touristen auf die Treppe wagten, beschlossen die Verantwortlichen des Nationalparks im Jahr 2011, die Anzahl der Besucher zu beschränken. Seitdem muss man eine Erlaubnis einholen, wenn man auf den Half Dome wandern will. Wer dies nicht tut, muss mit einer Strafe von bis zu 5.000 US-Dollar und/oder sechs Monaten Gefängnis rechnen.

Begehbare Achterbahn

Eine der spektakulärsten Treppen Deutschlands befindet sich in Duisburg und ist komplett funktionslos. Denn wenn man sie entlangschreitet, erreicht man zwar eine Höhe von 13 Metern, landet nach der Bewältigung der 220 Stufen aber wieder dort, wo man losgegangen ist. Tiger and Turtle – Magic Mountain, wie die Konstruktion heißt, wurde vom Künstlerpaar Heike Mutter und Ulrich Genth im Jahr 2010 realisiert und erinnert optisch an eine Achterbahn. Sie hat sogar einen Looping, der allerdings aus offensichtlichen Gründen der Schwerkraft nicht begehbar ist. Bei Nacht ist die unendliche Treppe beleuchtet und kommt fast noch besser zur Geltung als tagsüber.

Die längste Treppe der Welt nach oben rennen

Von der Niesentreppe habt ihr möglicherweise noch nie etwas gehört. Dabei ist sie die längste Treppe der Welt. Auf rund 3,5 Kilometern führt sie entlang der Strecke, die die Niesenbahn auf den Schweizer Berg Niesen nimmt. Aus Sicherheitsgründen darf die Treppe allerdings nicht von Besuchern betreten werden – es sei denn, es ist Juni und der Niesen-Treppenlauf2 steht auf dem Programm. Bei der Gelegenheit wird der Verkehr der Standseilbahn eingestellt und mehr als 200 Hobbyläufer bewältigen die 11.674 Stufen schnellstmöglich. Der Rekord bei den Herren liegt bei knapp 56 Minuten und bei den Damen bei gut 67 Minuten. Sollte euch nun der sportliche Ehrgeiz gepackt haben: Der nächste Niesen-Treppenlauf geht am 13. Juni 2020 über die Bühne.