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Zeig dein Natural Hair!

Jahrzehntelang wurden Haare gebändigt, gesteckt, gelockt, gefärbt … Doch damit ist nun Schluss. Das natürliche Haar steht mehr denn je im Fokus. Das Stichwort heißt »Natural Hair«, das Credo lautet wachsen und einfach so sein lassen, wie es ist. Lest hier im sisterMAG den ganzen Artikel von Autorin Marlen Gruner.

Zeig dein Natural Hair!

Warum Afro und Naturwelle nicht nur okay, sondern erwünscht sind

2019 ist Natürlichkeit angesagt – nicht nur beim Make-up, sondern auch beim Hairstyling. Das innere Ich wird nach außen gekehrt. Sichtbare Individualität und gelebte Diversität stehen im Fokus: Wir zeigen, wer wir sind. Sommersprossen, Dehnungsstreifen und Narben sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Sie gelten nicht länger als Makel, sondern erzählen eine persönliche Geschichte zur Trägerin. Vorbei sind (erstmal) die Zeiten, in denen sich Glatthaarmädchen Lockenmähnen zaubern und Afro-Girls ihre Curls glätten.

Dieser Mut und das Selbstbewusstsein, zum eigenen Ich und seinem Aussehen zu stehen, werden belohnt: Individualität und Diversität werden in Magazinen und im Netz gefeiert, auf der Straße zelebriert und in den USA sogar per Gesetz geschützt. Letzteres betrifft vor allem Menschen mit Afrohaar. Denn das ist weit mehr als der Ausdruck von Persönlichkeit, Ethnie, Kultur und Identität. Es ist ein Politikum.

Haare zwischen Persönlichkeit und Politikum

Denn für People of Colour war es bisher keineswegs alltäglich, ihr Haar einfach so zu tragen, wie sie wollten. Sie wurden bzw. werden noch immer im Alltag diskriminiert, etwa im Job für ihr vermeintlich unprofessionell aussehendes, krauses Haar. Bändigen, also glätten oder abschneiden, wurde häufig vorgeschrieben – bis jetzt. Denn Anfang 2019 wurde in den USA, genauer gesagt: in New York, ein Anti-Diskriminierungsgesetz beschlossen.

Laut dem ist jegliche Form der Diskriminierung von Menschen mit Afrohaar untersagt. Das Gesetz schützt »Naturhaar, gemachte oder ungemachte Frisuren wie Locken, Cornrows, Twists, Zöpfe, Bantu-Knoten, Fades, Afros und/oder das Recht, Haare in einem ungeschnittenen Zustand zu tragen.« (1) Im Juli zog der Bundesstaat Kalifornien nach und erließ als erster US-Staat ein ganz ähnliches Gesetz. Mit dem sogenannten CROWN Act (Create a Respectful and Open Workspace for Natural Hair, deutsch: Schaffung eines respektvollen und offenen Arbeitsplatzes für natürliches Haar) wird die Diskriminierung von Menschen mit Afrohaar und entsprechenden Frisuren im Job und in Schulen untersagt. Es drohen hohe Bußgelder.

Auch jenseits dieser Gesetze wird natürliches Afrohaar zelebriert, etwa im Netz. Allein bei Instagram gibt es millionenfache Afrostyle-Posts mit Hashtags wie #NaturalHair (22,6 Mio.), #CurlyHair (24,1 Mio.), #NaturalHairJourney (1,7 Mio.) und #CurlyHairDontCare (2,1 Mio.). Auch Celebrities lassen sich davon anstecken – oder inspirieren umgekehrt die Social-Media-Community.

Celebrities zeigen und feiern Natural Hair

So trat Musikerin Beyoncé während ihres legendären »Homecoming«-Auftritts beim Coachella-Festival 2018 mit gelockter Wallemähne auf. Für das Cover der September-Ausgabe der Vogue im gleichen Jahr legte sie Glätteisen und Make-up-Pinsel beiseite und zeigte sich beauty-technisch nackt: nahezu ohne Make-up und mit zu Cornrows geflochtenem Haar. »Leute, ich möchte ich selbst sein. Ich will dieses ganze Haar und all das Make-up nicht. Ich will einfach nur frei sein«, erklärte sie dazu. (2)

Auch Model Naomi Campbell versteckt sich nicht länger bzw. unterwirft sich keinem Modediktat mehr. 2018 tauschte sie geglättetes Haar bzw. Echthaarperücken gegen ihre natürlich krause Mähne ein – mit 48 Jahren. Was lange als Makel galt, wird vermehrt zum Markenzeichen.

Gelebte Individualität und Diversität

Auch Modelkollegin Tyra Banks zeigt sich immer öfter mit naturkrausem Haar. In der amerikanischen TV-Show »America’s Next Topmodel« berichtete sie, seit ihrem Karrierebeginn in den 90ern Perücken und Haarteile getragen zu haben. Damit entsprach sie den gängigen Schönheitsidealen. Doch nun wehrt auch sie sich gegen diese Diskriminierung und zeigt sich mit natürlichem Haar.

Auch die spanische Fotografin und Bloggerin Sol Bela Mele setzt sich in ihrem Projekt »Hair Stories« mit Schönheitsidealen rund um Afro-Styles auseinander. Sie war frustriert, »da in den Medien, mit denen ich durch das Bloggen in Kontakt kam, kaum schwarze Menschen wie ich repräsentiert waren. Es fühlte sich falsch an, als schwarze Frau zum Erhalt eines Systems beizutragen, in dem schwarze Menschen keine Rolle spielten«, erzählte sie in einem Interview. (3) Sie kritisiert, dass farbige Frauen »und ihr Haar kaum in westlichen Vorstellungen von Schönheit« vorkämen und dass sie sogar soweit gingen, »ihre Haare zu bleichen, zu glätten oder abzurasieren, um westlichen Schönheitsidealen zu genügen.« (3) Doch Sol Bela Mele setzt dem ein visuelles Ende und People of Colour in ihrer Natürlichkeit in Szene.