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Routinen als Schlüssel zur Kreativität

Wer immer wieder dieselben Abläufe verfolgt, der hat sein Gedankenpotenzial nicht für Alltägliches verschwendet und damit die Komplexität kleiner Entscheidungen minimiert. Das Ergebnis: Man hat in seiner Freizeit mehr Kapazität für kreative Ideen. Maren Schwarz führt euch in der neuen sisterMAG Ausgabe ein in das Potenzial der Routine.

Als freie Journalistin ist es für mich überlebensnotwendig, Routinen zu haben und meinen Alltag zu strukturieren. Gleichzeitig ist es aber in meinen Beruf auch extrem wichtig, kreativ zu sein, neue Themen zu entwickeln, Artikel zu pitchen und immer einen neuen Dreh für Geschichten zu finden. Eines Tages stellte ich mir deshalb die Frage: Wie kann ich Routinen und Kreativität zusammenbringen?

Dass Routinen und Kreativität gut zusammenpassen, ist keine neue Erkenntnis. Unzählige Wissenschaftler haben sich dieser Frage schon gewidmet. Hauptsächlich aus dem Grund, dass sie der Ursache oder dem Geheimnis kreativer Talente wie Albert Einstein oder Franz Kafka nachgehen wollten. Das Ergebnis all dieser Studien: Fast jedes Genie war nicht nur wahnsinnig kreativ, sondern hatte auch tägliche Routinen.

Egal ob Frühaufsteher oder Langschläfer: Hauptsache konstant!

Diese Grafik zeigt, dass all diese berühmten kreativen Menschen feste Routinen im Alltag hatten.

Was klar zu erkennen ist: Es spielt keine Rolle, ob man früh aufsteht, nur auswärts isst oder ein Mittagsschläfchen macht. Die Hauptsache ist, dass die Routinen konstant eingehalten werden. Und das aus gutem Grund!

Darum sind Routinen so wichtig für die Kreativität

Die Erklärung dafür, warum Routinen der Schlüssel zu Kreativität sind, ist relativ einfach. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama pflegt als eine seiner vielen Routinen beispielsweise, nur graue oder blaue Anzüge im Schrank zu haben. Dem US-Magazin Vanity Fair sagte er 2012 diesbezüglich:

»I don´t want to make decisions about what I’m eating or wearing. Because I have too many other decicions to make.«

Sprich: Obama hat keine Zeit, sich jeden Tag aufs Neue damit auseinanderzusetzen, was er anzieht oder isst. Er minimiert damit die Komplexität kleiner Entscheidungen, um mehr Gedankenpotenzial für wirklich wichtige Dinge zu haben.

Routinen helfen Menschen also, mit dem kontinuierlichen Ansturm an Entscheidungen klarzukommen, indem sie uns einige einfache Entscheidungen abnehmen. Wer jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit aufsteht und seinen Alltag mit weiteren darauffolgenden Routinen gestaltet, wird mehr Zeit und Gedanken übrig haben, um kreativ zu sein. So helfen Routinen paradoxerweise dabei, das kreative Potenzial voll auszuschöpfen.

So hat es immerhin schon Albert Einstein gemacht

Der berühmte Albert Einstein, der unter anderem die Relativitätstheorie aufgestellt hat, arbeitete während seiner Forschungszeit als technischer Experte am Berner Patentamt. Klingt erst mal komisch und irgendwie wie eine permanente Unterforderung dieses genialen Gehirns. Und das war es auch, aber genau diese doch sehr monotone Arbeit ließ ihm Zeit für seine wissenschaftliche Forschungsarbeit. Albert Einstein war davon überzeugt, dass eben Ruhe und Eintönigkeit eine gute Voraussetzung für geistige Leistung sei. Im Jahr 1933 sagte er zu diesem Thema:

»Als ich einige Wochen allein auf dem Lande lebte, bemerkte ich, wie stimulierend ein ruhiges und eintöniges Leben auf die Kreativität wirkt. Selbst in der modernen Gesellschaft gibt es Tätigkeiten, die das Alleinsein voraussetzen und keine großen physischen oder geistigen Anstrengungen erfordern […]. Könnte man für solche Tätigkeiten nicht junge Leute anstellen, die über wissenschaftliche Probleme, vor allem mathematischer und philosophischer Art, nachdenken wollen?«

Und auch Charles Darwin hatte seine festen Routinen

Genau wie Einstein hielt auch Naturforscher Charles Darwin tägliche Routinen ein, um seine Kreativität zu steigern. Zugegebenermaßen: Er hatte sehr viele Routinen, die er in 24 Stunden untergebracht hat.

So sah vermutlich ein ganz normaler Tag im Leben von Charles Darwin aus:

Nachdem Darwin bis ca. sieben Uhr geschlafen hat, machte der Forscher erst einmal einen Spaziergang mit anschließendem Frühstück. Danach widmete er sich sehr konzentriert seiner Arbeit. Das heißt: Keinerlei Ablenkungen waren erlaubt. Erst wenn er damit fertig war, öffnete er seine Post, las sie, aber beantwortete sie noch nicht. Danach widmete er sich wieder der Arbeit, bevor er den Hund ausführte und dann zum Lunch ging. Nach dem Essen war es Zeit, die Zeitung zu lesen und die morgens geöffneten Briefe zu beantworten oder neue zu schreiben. Zwischen 14 und 15 Uhr wurde ein Mittagsschläfchen gehalten, gefolgt von einem Spaziergang und den Erledigungen von, wie er sagte, »Krimskrams«. Danach war es Zeit für die schönen Dinge des Lebens: Lesen, Nachmittagstee und Backgammon. Im Anschluss bewegte er sich zurück in den Arbeitsbereich und las vor dem Zubettgehen noch Wissenschaftsbücher und Fachliteratur. Die ersten zwei Stunden im Bett verbrachte der Naturforscher dann damit, nachzudenken und Probleme zu lösen. Darauf folgte die Nachtruhe, in der er es pflegte, ca. sieben Stunden zu schlafen. Und dann den nächsten Tag wieder mit seinen Routinen zu beginnen.

Routinen sollten von Zeit zu Zeit überdacht werden

Und so mache ich es jetzt auch: Ich schlafe bis neun Uhr, lese eine Stunde im Bett die Nachrichten und beantworte erste Mails, nehme mir dann mindestens eine Stunde Zeit für mein Frühstück und setzte mich dann an meinen Schreibtisch. Um 16 Uhr mache ich eine Kaffeepause inklusive Spaziergang. Bis 19 Uhr sitze ich dann wieder am Schreibtisch. Danach ist Zeit für Freunde, Abendessen kochen oder ein Glas Wein.

Doch das Wichtigste ist wohl doch, Routinen von Zeit zu Zeit auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Denn: Wenn Routinen zu exzessiv gelebt werden, können sie wie ein Gefängnis sein, aus dem man nicht ausbrechen, frei und kreativ sein kann.