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»Desk to Success«: Master Blenderin Angela D’Orazio

In unserer Rubrik »Desk to Success« stellen wir euch regelmäßig spannende Persönlichkeiten und ihre Arbeitsplätze vor. Lernt im sisterMAG dieses Mal Angela D’Orazio kennen, die als Master Blenderin in der ersten Whisky Destillerie in Schweden arbeitet, ein Berufsfeld, das bisher noch immer männlich dominiert ist. Wie es ihr in ihrem Berufsalltag so ergeht und was eigentlich ihre Aufgaben sind, erfahrt ihr hier im Interview, das Caro vom sisterMAG-Team mit ihr geführt hat. Vielen Dank an Microsoft für die schöne Zusammenarbeit!

»Desk to Success« mit Master Blenderin Angela D’Orazio

Angela D’ Orazio ist Master Blenderin bei »MACKMYRA«, der ersten Whisky Destillerie in Schweden. Ein Land, das nicht unbedingt für seine Whisky-Tradition bekannt ist. Gemeinsam mit der finnischen Firma »Fourkind« und auf Basis von »Microsoft Azure« launcht »Mackmyra« den weltweit ersten KI-WHISKY »INTELLIGENS«. Anlass für uns genug, Angela und das Produkt in einem neuen Feature von »Desk to Success« einmal genauer kennenzulernen. Wie sieht ihr Arbeitsplatz aus? Was sind die Aufgaben eines Master Blender? Und wie kommt Angela eigentlich in einem noch von Männern dominierten Berufsfeld zurecht?

Stell dich uns und den sisterMAG Leserinnen und Lesern vor. Wer bist du und was machst du?

Ich bin Angela, CNO, also Chief Nose Officer, bei »Mackmyra Svensk Whisky«. Als Alchemistin liebe ich meinen Job. Ich kreiere aus verschiedenen Spiritousen neue Whisky-Sorten mit einem speziellen Charakter. Ich könnte auch sagen, ich bin eine tanzende Master Blenderin mit einem schwarzen Gürtel in Nia dance.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus? Was ist dein Alltagsgeschäft?

Ich teste Fässer, Whisky- und Mischrezepte für bestehende Produkte wie »Svensk Ek« und neue, limitierte Editionen wie »Vintersol«. Ich plane zukünftige Projekte und entscheide, welche Fässer zum Reifen befüllt werden. Vieles davon läuft darauf hinaus, dass ich im Auto Telefonkonferenzen abhalte, während ich zwischen Stockholm, der Gravity Destillerie in Gävle und dem Lagerhaus in Bodås Mine hin- und herfahre.

Erzähle uns ein bisschen von der Whisky-Destillerie »Mackmyra«, für die du arbeitest. Was ist besonders daran?

»Mackmyra« ist die erste schwedische Destillerie. Dieses Jahr feiern wir unseren zwanzigsten Geburtstag. Wir produzieren schwedischen Single Malt Whisky und Gin und konzentrieren uns darauf, tollen Whisky in die ganze Welt zu bringen. Der Unterschied zu anderen ist, wir machen alles auf die schwedische Art. Auf jedem Meeting sorgen wir dafür, beste individuelle Kundenerlebnisse zu erzielen, z.B. mit dem privaten 30 Liter-Fass-Programm »Mackmyra«-Reserve – in Satelliten-Lagerhäusern in Schweden und Deutschland. Wir bieten auch viele speziell skandinavische und sehr spannende Finishes an, wie zum Beispiel »Moltebeere« und Birkensaft.

Was ist dir an deinem Arbeitsplatz besonders wichtig und darf nie fehlen?

Kommunikation und anderen zu helfen finde ich sehr wichtig. Und die Freude daran, das bestmögliche Whisky-Erlebnis zu kreieren.

»Intelligens« von »Mackmyra« und »Fourkind« ist der erste »KI-Whisky« der Welt. Was ist KI- Whisky? Wie wird er gemacht und wie unterscheidet sich die Produktion von der klassischen Herstellung?

KI ist ein maschineller Lernprozess, also künstliche Intelligenz, die auf so ziemlich alles angewendet werden kann. Es können damit neue Produkte hergestellt oder bisherige Prozesse optimiert werden. Im Fall des »KI-Whiskys« haben wir gemeinsam mit dem finnischen Technologieunternehmen »Fourkind« und Microsoft einen Whisky produziert. Die Maschine, lernt neue Blends aus alten Prozessen zu entwickeln. Hierfür stellen wir der Software alle Daten aus der Vergangenheit zur Verfügung. Dann kann sie das circa hundert Millionen Mal in zwei verschiedenen »Köpfe« verarbeiten. Beispielsweise, wie wir unsere Whiskys herstellen, welches Kundenfeedback wir dazu hatten, welche Fässer wir verwendeten und welche Preise wir dafür gewonnen haben. Die »Köpfe« kritisieren und kreieren, bis sie eine gute Lösung gefunden haben. Im Prozess bekamen wir hunderte von Rezepten und Blends, die nicht interessant waren. Daher gaben wir so lange Feedback, bis fünf Rezepte herauskamen, die wir für realisierbar hielten. Ich begleitete den ganzen Prozess, weil ich die Fässer, den Prozess und alles andere gut kenne. Ich weiß, was funktioniert – und was nicht. Der Satz »gemacht von KI, überprüft von Menschen« bedeutet also genau das. Jeder Schritt war eine Entscheidung. Ich überprüfte alle Blends, setzte neue Parameter, kontrollierte wieder die Test-Blends und suchte Fässer und Rezepte aus. Um es deutlich zu machen: KI wurde nur in der letzten Phase der Herstellung verwendet, bei der eigentlichen Mischung. Der Rest funktioniert genau so, wie auch in den letzten 20 Jahren in der Whisky-Herstellung bei »Mackmyra«.

»Kommunikation und anderen zu helfen finde ich sehr wichtig. Und die Freude daran, das bestmögliche Whisky-Erlebnis zu kreieren.«

Was ist dein Job während des Herstellungsprozesses?

Meine Aufgabe ist es, neue Produkte und Blends zu entwickeln. Dabei behalte ich die Qualität im Blick, bilde andere aus und vertrete unsere Marke.

Wie ist es für dich, als Frau in der noch sehr männlichen Master Blender-Branche zu arbeiten?

Es ist toll! Auch wenn ich noch nicht viele Frauen um mich herumhabe. Na ja, es sind schon mehr als vor 15 Jahren und wir kommen dem Ziel immer näher. Ich persönlich profitiere sehr davon, bei einer nicht-traditionellen Getränkefirma wie »Mackmyra« zu arbeiten und nicht bei einem »normalen« Whiskyhersteller. Und ich tanze. Das gibt mir eine gute Balance im Leben.

»Meine Aufgabe ist es, neue Produkte und Blends zu entwickeln. Dabei behalte ich die Qualität im Blick, bilde andere aus und vertrete unsere Marke.«

Welche Qualitäten muss »frau« haben, um ein erfolgreicher Master Blenderin zu sein?

Neugier, Offenheit, kein Problem mit »harter Arbeit«. Darüber hinaus ist wichtig, auf die eigene Intuition zu hören und Neues kreieren zu wollen. Und als Master Blender viel Erfahrung und Wissen zu sammeln.