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Frauen in der Luftfahrt

Die Geschichte von hartnäckigen, mutigen und stolzen Pionierinnen der Luftfahrt

Es waren maßgeblich Männer, die die Anfänge der Luftfahrt prägten. Ob die Brüder Montgolfier, die 1783 den ersten Heißluftballon gen Himmel steigen ließen, Otto Lilienthal, der von 1891 an regelmäßig mit einem selbstgebauten Gleitflugzeug unterwegs war, oder die Gebrüder Wright, die 1903 erstmals mit einem motorisierten Flugzeug abhoben – das männliche Geschlecht dominiert von jeher die Lüfte. Und man muss schon etwas genauer hinschauen, um auch die Pionierinnen auszumachen. Wie etwa Jeanne Geneviève Labrosse, die erste Frau überhaupt, die 1798 ganz allein einen Heißluftballon fuhr. Weil sie mit André-Jacques Garnerin verheiratet war und dieser im Jahr davor den Fallschirm erfand, war Labrosse 1799 auch die erste Frau, die sich mit der Entwicklung ihres Mannes 900 Meter in die Tiefe stürzte.

Die Erfindung des Paketfallschirms

Mehr als hundert Jahre später kam ebenfalls eine Frau auf die Idee, die Fallschirme auf die heute übliche Weise zu falten. Die gelernte Schneiderin Käthe Paulus erfand zu Beginn des Ersten Weltkriegs den Paketfallschirm und belieferte die deutsche Luftwaffe mit rund 7.000 davon. Dass sich Paulus so intensiv mit Fallschirmen beschäftigte, hatte auch etwas mit einem tragischen Unfall zu tun. Im Jahr 1889 lernte sie den Ballonfahrer Hermann Lattemann kennen und ließ sich von seiner Begeisterung für die Luftfahrt anstecken. Lattemann lehrte sie zunächst die theoretischen  Grundlagen seiner Zunft und ließ sie zudem seine zerrissenen Ballons und Fallschirme flicken. Aus der beruflichen wurde wenig später auch eine private Partnerschaft, im Jahr 1891 brachte Paulus den kleinen Willy zur Welt. Zwei Jahre später absolvierte sie ihre erste Ballonfahrt. Der buchstäbliche Höhenflug wurde im Juni 1894 jäh unterbrochen: Lattemann stürzte mit einem von ihm entwickelten Heißluftballon ab, während Paulus, am Fallschirm hängend, die Tragödie aus wenigen Meter mitansehen musste. Paulus erlitt einen Nervenzusammenbruch und verbrachte die folgenden Monate im Bett. Als ein Jahr später auch ihr Sohn Willy an Diphterie starb, lenkte sie sich mit Arbeit ab und wurde zu „Miss Polly“, der erfolgreichsten Luftakrobatin der Welt. Berühmt war sie vor allem für den Doppelabsturz: Dabei sprang sie aus einem Heißluftballon, öffnete unterwegs einen Fallschirm, durchtrennte aber kurz darauf die Seile – nur um Augenblicke später einen weiteren Fallschirm zu aktivieren und mit diesem zu Boden zu gleiten. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete Paulus ihre Karriere und widmete sich der bereits erwähnten Weiterentwicklung des Fallschirms. Weil sie dadurch Dutzenden von Soldaten das Leben rettete, wurde sie 1917 mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet.

Die Umrundung der Erde und Beate Uhse als Pilotin

Als Käthe Paulus im Jahr 1935 starb, nahmen unter anderem zwei Damen an der Trauerfeier teil, die sich ebenfalls um die Luftfahrt verdient gemacht haben Elly Beinhorn und Hanna Reitsch. Beinhorn war 1932 die erste Frau der Welt, die im Flugzeug die Erde umrundete. Außerdem flog sie im August 1936 von Damaskus über Kairo nach Berlin, womit sie als erster Mensch überhaupt drei Kontinente binnen 24 Stunden passierte. Am bald darauf ausbrechenden Zweiten Weltkrieg nahm Beinhorn jedoch nicht als Kampfpilotin teil – im Gegensatz zu Hanna Reitsch. Die war schon 1937 zur weltweit ersten Flugkapitänin ernannt worden und erhielt zudem 1943 als einzige Frau in der Geschichte Deutschlands das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Weil Reitsch in Hitlers letzten Lebenstagen den Führerbunker besuchte, taucht sie – verkörpert von Anna Thalbach – auch im Film „Der Untergang“ auf. Reitsch flog bis ins hohe Alter, noch kurz vor ihrem Tod 1979 stellte sie einen deutschen Frauenrekord im Langstreckensegeln auf.

Übrigens nahm auch Beate Uhse, die sich vor allem als Pionierin im Erotik-Bereich einen Namen gemacht hat, als Pilotin am Zweiten Weltkrieg teil. In den 1930er-Jahren war sie die einzige Kunstpilotin Deutschlands und überführte anschließend reparierte Flugzeuge von der Werkstatt zu den Stützpunkten der Luftwaffe. Von Oktober 1944 an nahm sie schließlich selbst an den Kampfhandlungen teil, bis sie im April 1945 in britische Kriegsgefangenschaft geriet. Weil es Deutschen nach dem Weltkrieg generell verboten war, fliegerisch tätig zu sein, wurde Uhse Unternehmerin und eröffnete 1962 in Flensburg mit dem „Fachgeschäft für Ehehygiene“ den ersten Sexshop der Welt.

Amelia Earhart

Die heute wohl bekannteste Frau, die je am Steuer eines Flugzeuges saß, war die US-Amerikanerin Amelia Earhart, die ihren Ruhm zu einem nicht geringen Teil ihrem mysteriösen Verschwinden zu verdanken hat. Im Jahr 1928 wurde Earhart weltbekannt, als sie als erste Frau den Atlantischen Ozean überquerte – allerdings nur als Passagierin, die zugleich das Logbuch führte. Dennoch wurde ihr in der Folge mehr Aufmerksamkeit zuteil als Wilmer Stultz, dem Piloten. Vor allem junge Frauen nahmen Earhart zum Vorbild, um endlich aus der Rolle des „schwachen Geschlechts“ auszubrechen. Im Jahr 1932, fünf Jahre nach ihrem ersten Atlantik-Flug, überquerte Earhart endlich auch allein den Ozean – als erster Mensch der Welt zum zweiten Mal. Es folgten etliche Erstflüge, darunter 1935 einer über den Pazifik. Im Mai 1937 startete Earhart in Miami in ihr größtes Abenteuer: Als erster Mensch überhaupt wollte sie die Erde am Äquator umrunden. Den größten Teil der Strecke hatte sie bereits geschafft, als im Juli vor dem Landeanflug auf die nordöstlich von Australien gelegene Howlandinsel der Funkkontakt zu ihr abbrach. Obwohl die USA 64 Flugzeuge und acht Schiffe losschickten und damit die bis dato größte Suchaktion in der Luftfahrtgeschichte starteten, wurde Earhart nicht gefunden und im Januar 1939 offiziell für tot erklärt. Sehr wahrscheinlich ist ihr Flugzeug in den Pazifik gestürzt und liegt bis heute auf dem Grund des Ozeans, allerdings halten sich hartnäckige Gerüchte, dass sie und ihr Navigator Fred Noonan sich nach dem Absturz auf eine unbewohnte Insel retten konnten und dort noch jahrelang lebten.

Der harte Weg zur Gleichberechtigung

Trotz der Errungenschaften von Earhart und den anderen Pionierinnen der Luftfahrt sind Frauen dort auch heute noch deutlich in der Unterzahl. Von den 6.000 Piloten etwa, die für die Lufthansa und deren Töchter Lufthansa Cargo und Germanwings arbeiten, sind nur 300 weiblich. Die Zahl ist einerseits deutlich ausbaufähig, andererseits gab es auch ganz lange gar keine Frauen in den Cockpits der Airline. Zwar wurde schon 1928 eine Frau von der Lufthansa zur Co-Pilotin gemacht, nämlich Marga von Etzdorf. Die hatte jedoch nur einen Vertrag über 10.000 Flugkilometer und widmete sich anschließend dem Langstreckenfliegen. Dabei legte sie 1931 als erste Frau die Strecke von Deutschland nach Japan zurück. Weil sie ein Jahr später schon das dritte Flugzeug schwer beschädigte, nahm sie sich im Alter von nur 25 Jahren in Syrien das Leben. Nach von Etzdorf dauerte es ganze 60 Jahre, bis die Lufthansa wieder Frauen ins Cockpit ließ: Evi Hetzmannseder und Nicola Lisy  nahmen im August 1988 den Linienverkehr auf. Dennoch wird wohl noch einiges an Zeit vergehen müssen, bis Frauen auch am Steuer von Flugzeugen gleichberechtigt sind.

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