Follow my blog with Bloglovin

Ein Laufschuh-Guide

Unser Team-Marathonläufer Alex hat im sisterMAG einen Laufschuh-Guide für euch zusammengestellt, denn der richtige Schuh ist beim Laufen das A und O! Alle wichtigen Infos findet ihr außerdem nochmal in einer Info-Box auf einen Blick.

Die Suche nach dem Siebenmeilenstiefel oder die Auswahl des richtigen Laufschuhs

Ein Laufschuh-Guide

Bereits in der Welt der alten, zunächst mündlich überlieferten europäischen Märchen, vermochte ein mythologisches Schuhwerk mit Zauberkraft zu begeistern, welches das Zurücklegen großer Entfernungen in kurzer Zeit ermöglichte – und selbst J.W. Goethe, der privat ein gutes Glas Wein stets einem Weg per Pedes vorzog, wusste den Siebenmeilenstiefel in seinem Faust II zu würdigen.

In den heutigen Zeiten des Laufens als Volkssport ist die Faszination des alles erleichternden, schnellen Laufschuhs weiter gewachsen – und komfortabel sollte er dabei gern auch noch sein, so dass sich zahlreiche Hersteller inzwischen darin überbieten, immer neue leichte, schnelle und gelenkschonende Schuhe auf den Markt zu bringen.

Doch wie findet man bei diesem jährlich wechselnden Überangebot den richtigen Laufschuh für die eigenen Ansprüche?

Für den Anfänger oder die Anfängerin empfiehlt sich der Besuch eines spezialisierten Laufladens. Dort kann der eigene Fuß vermessen und direkt mit passenden Modellen probegelaufen werden. Grundsätzlich sollte ein Laufschuh weder zu schmal, noch zu kurz sein, wenn der Fuß auf längeren Läufen anschwillt, so dass die (US-)Laufschuhgröße mitunter um bis zu 2,5 Nummern von der »normalen«, zumeist europäischen Schuhgröße, abweichen kann. Auch gilt es, das Ausmaß der sportlichen Ambitionen in Bezug auf Laufzeit und -geschwindigkeit, die voraussichtlichen Streckenprofile (vorwiegend Asphalt, Waldwege oder über Stock und Stein) und nicht zuletzt die eigene Physiognomie (Gewicht!) sowie das präferierte Laufgefühl (wie auf Wolken vs. nah am Asphalt) zu berücksichtigen.

Für die immer populärer werdenden Läufe abseits ausgetretener Pfade, das sogenannte Trailrunning, haben alle bekannten Hersteller inzwischen eigene Modelle mit ausgeprägteren  Sohlenprofilen und höherer Stabilität entwickelt, und auch die auf Laufbahnen trainierenden Leichtathleten können auf spezielles, besonders leichtes Schuhwerk mit spitzen Spikes zurückgreifen. Den weitaus größten Teil des Laufschuhmarktes bilden aber die Modelle für den Run auf gespurten Waldwegen und auf dem Asphalt, die die meisten Hobbyläufer*innen benötigen.

Beim Erwerb neuer Laufschuhe sollte berücksichtigt werden, dass ihre Lebensdauer sich nicht nur nach Jahren, sondern auch nach gelaufenen Kilometern bemisst – soll heißen: Auch ein Laufschuh, der wenig gelaufen wird, sollte nach ca. zwei Jahren ersetzt werden, da das Dämpfungsmaterial unabhängig von der Nutzung aushärtet – und schon ein einjähriger Laufschuh kann bereits am Ende seines Lebenszyklus angelangt sein, sofern sein fleißiger Träger mit ihm rund 1.000 Laufkilometer abgespult hat. Insofern empfiehlt sich für ambitioniertere Läufer*innen die Führung eines (auch stark motivationsfördernden) Lauftragebuchs…dazu in einer der folgenden sisterMAG Ausgaben mehr.

Laufexperten und Orthopäden empfehlen für emsige Läuferinnen und Läufer den Erwerb gleich mehrerer, unterschiedlicher Modelle, um den Fuß nicht zu gleichförmig zu belasten und um für unterschiedliche Trainingseinheiten optimal gerüstet zu sein. So eignen sich stärker gedämpfte Laufschuhe dank ihrer Komforteigenschaften für lange Läufe, während weniger »gepolsterte« Schuhe häufig leichter sind und auf kurzen, schnellen Strecken mehr Freude und Geschwindigkeit vermitteln.

Wen das Marathonfieber einmal gepackt hat, verfügt in der Regel über mindestens drei parallel gelaufene Schuhe für lange, langsame Läufe (Grundlagenausdauer!), mittellange Tempoläufe im angestrebten Renntempo und besonders knackige und kurze Intervalle.

Auch wenn es manchmal wirklich schwerfällt, sollten optische Präferenzen immer hinter der Paßform zurückstehen und so landet die Frau/der Mann mit dem breiteren Fuß häufiger bei Brooks als bei Nike oder On. Und auch wenn Ironman Jan Frodeno auf neutralen Asics Schuhen Fabelzeiten erläuft, benötigt mancher seiner Fans eben doch etwas mehr Fersenstütz, was es im Laufladen zu verifizieren gilt.

Wer ganz tief in die Materie einsteigen und für den Läufer Smalltalk im Park immer up-to-date sein möchte, kann sich auf der Sportmesse ISPO die jeweils neuesten Trends für die kommende Saison ansehen, zur Zeit sind das etwa der karbongestützte, reichlich schrägstehende Schnell-Laufschuh vom (inoffiziellen) Unter-2-Stunden-Marathon-Weltrekordler Eliud Kipchoge (von Nike, eine  ähnlich steile Konstruktion bieten aber inzwischen z.B. auch adidas und Hoka) – und auf der anderen Seite des Spektrums der laut Hersteller besonders knieschonende und komfortable U-Tech Aion mit doppelt hufeisenförmigem Sohlenprofil.

Für die finale Auswahl des eigenen Laufschuhs gilt aber: Probieren geht über Studieren – und das Zurücklegen großer Entfernungen in kurzer Zeit gelingt auch ganz ohne märchenhafte Siebenmeilenstiefel…durch ausdauerndes Training!

INFO BOX: Wichtige Fakten auf einen Blick  

Für Anfänger*innen:

  • Besuch eines Fachgeschäfts und Füße vermessen lassen
  • Laufschuhe sollte nicht zu schmal und nicht zu kurz sein
  • Streckenprofile, Physiognomie und das präferierte Laufgefühl beachten

Für Trailrunner:

  • Ausgeprägte Sohlenprofile und hohe Stabilät sind wichtig
  • Besonders leichtes Schuhwerk mit spitzen Spikes

Für Marathonläufer*innen:

  • Mindestens 3 parallel gelaufene Schuhe für lange, langsame Läufe zur Verfügung

Allgemein:

  • Optische Präferenzen sollten immer hinter der Paßform stehen