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They, theirs und them – Die Showtime-Serie »Billions«

In »Billions« liefert Taylor Mason eine unwiderstehliche Studie zur Geschlechterspezifik ab – und das in einer Serie über Finanzen und Recht. Gespielt wird die Figur von Asia Kate Dillon, einer Person, die sich als nichtbinär identifiziert. Und mit was für einem Auftritt: »Hallo, mein Name ist Taylor. Meine Pronomen lauten they, theirs und them.« Lest hier im sisterMAG den ganzen Artikel von Autor Christian Näthler.

They, theirs und them

In der Showtime-Serie »Billions« mischt ein androgynes Finanzgenie einen Jungs-Club auf

In »Billions« liefert Taylor Mason eine unwiderstehliche Studie zur Geschlechterspezifik ab – und das in einer Serie über Finanzen und Recht. Gespielt wird die Figur von Asia Kate Dillon, einer Person, die sich als nichtbinär identifiziert. Und mit was für einem Auftritt: »Hallo, mein Name ist Taylor. Meine Pronomen lauten they, theirs und them.«

Als ich die Zusammenfassung der Showtime-Serie »Billions« gelesen habe, dachte ich: Hab ich diese Geschichte nicht schon mal irgendwo gesehen? Und zwar ungefähr eine Million Mal? Die zwei Protagonisten sind ein hinterlistiger Finanzvorstand und ein gerissener Anwalt. Korruption in der Wirtschaft, Machtpolitik, die Wiesel der Wall Street. Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort hat mich bereits auf diese Reise mitgenommen. Und trotzdem fing ich mit dem Schauen an – dank eines besonders ereignislosen Winters, in dem ich den größten Teil des Netflix-Angebots bereits ausgeschöpft hatte.

Billions ist ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel. Die Maus ist Robert »Bobby« Axelrod, ein Hedge-Fond-Manager, der von Damian Lewis verkörpert wird. Die Katze ist der US-Anwalt Chuck Rhoades, gespielt von Paul Giamatti, welcher versessen darauf ist, Axelrod wegen Insider-Handels zu verklagen. Zwei Dinge sind besonders fragil in der Finanzwelt: der Markt und Männlichkeit. Wir bekommen einen Eindruck von Letzterem, als Wendy, Axelrods Psychotrainerin, die gleichzeitig seine Ehefrau ist, während sie vor einer Gruppe von Tradern über Performance spricht eine Flasche Viagra präsentiert (mit durchaus gewollter Doppeldeutigkeit). »Wenn die Zeit gekommen ist, wenn Sie entscheiden müssen, ob Sie kaufen oder verkaufen, dann müssen Sie so hart sein wie Stein und bereit loszulegen.«, erklärt sie. Dies ist eine Männerwelt. Da zählt Machismus. Es war nicht nötig, in einer Serie über Wertpapierhandel, geschlechterspezifische Leistungen infrage zu stellen. »Billions« hat es trotzdem getan. In der ersten Folge der zweiten Staffel lernen wir eine Figur kennen, deren schiere Existenz die Dynamik zwischen geschlechtsspezifischem Verhalten und Macht zu einem faszinierenden Unterthema macht. »Hallo, mein Name ist Taylor. Meine Pronomen lauten they, theirs und them.«

Taylor Mason wird gespielt von Asia Kate Dillon – einer Person, die sich, wie ihre Figur, als nichtbinär identifiziert. Alison Willmore, die für Buzzfeed schreibt, bezeichnete die Rolle als »Meilenstein der Repräsentation«. Eine Serie wie »Billions« ist ein ungewöhliches Format um Androgynitäts-Repräsentationen voranzubringen, aber genau deshalb funktioniert es. Es wäre zu schrill, wenn eine Frau die Geschlechterdynamiken der Serie stören würde; genauso unglaubwürdig wäre es, wenn sich ein Mann auf dem Börsenparkett verwundbar zeigen würde. Es ist die gelassene Ausstrahlung von Taylor und nicht die Geschlechteridentität, die die Unsicherheiten der dreisten Männlichkeit bloßstellt. Wie die Fernsehkritikerin Emily Nussbaum in »The New Yorker« schrieb: »Wo, wenn nicht aus der Umkleidekabine heraus, wäre es besser, die Bro Culture zu zwicken?«

Für Dillon war es wichtig, dass Mason nicht als Gimmick eingesetzt wird. »Ich hätte Taylor niemals spielen wollen, wenn es nur für eine einzige Folge gewesen wäre, und wenn sich diese Folge nur um Geschlechteridentität gedreht hätte.«, sagt Dillon und gibt zu, beim ersten Lesen des Drehbuchs geweint zu haben. »Wenn es kein voll entwickelter Charakter gewesen wäre, hätte ich es nicht tun wollen, weil diese Repräsentation, ehrlich gesagt, ein alter Hut und nicht besonders interessant ist.«

Nichtbinäre Charaktere werden typischerweise auf zwei Arten repräsentiert: als Karikatur oder – noch schlimmer – als Persiflage. »All«, das von Benedict Cumberbatch gespielte androgyne Model in »Zoolander 2«, kommt einem als besonders groteske Darstellung in den Sinn. »Man kriegt entweder einen eindimensionalen Trans-, nichtbinären oder nicht geschlechterkonformen Charakter, und darum geht es in der Geschichte – und die ist üblicherweise tragisch – «, erzählte Dillon bei NBC News, »oder man kriegt das andere Ende, wo gerade weil man eine Trans-, nichtbinäre oder nicht geschlechterkonforme Person verkörpert perfekt und engelsgleich sein muss, damit wir mit Sicherheit sagen können: ‚Oh, sie sind nicht verstörend, sie können auch gute Menschen sein.’«

 

Nicht erst seit David Bowie als Ziggy Stardust in Erscheinung trat oder Tilda Swinton Orlando in der Filmadaption von Virginia Woolfs gleichnamigem Roman spielte, wurde vor einem Mainstream Publikum Androgynität mit Tiefgang oder auch Nuancierungen versehen. Niemand hat die Pflicht, diesen Kampf anzuführen, obwohl Dillon gerne die sprichwörtlichen Hosen dabei anhat. »[Ich habe] Nachrichten von Menschen [erhalten], die sagten, dass meine Figur ihre Herzen und Meinungen verändert hat«, sagt Dillon. »Ich habe das Gefühl, dass die Kunst wirklich die Kultur verändern kann … daher halte ich die Kunst für so mächtig.«

Als ich die Zusammenfassung der Showtime-Serie »Billions« gelesen habe, dachte ich: Hab ich diese Geschichte nicht schon mal irgendwo gesehen? Und zwar ungefähr eine Million Mal? Die zwei Protagonisten sind ein hinterlistiger Finanzvorstand und ein gerissener Anwalt. Korruption in der Wirtschaft, Machtpolitik, die Wiesel der Wall Street. Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort hat mich bereits auf diese Reise mitgenommen. Und trotzdem fing ich mit dem Schauen an – dank eines besonders ereignislosen Winters, in dem ich den größten Teil des Netflix-Angebots bereits ausgeschöpft hatte.

Billions ist ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel. Die Maus ist Robert »Bobby« Axelrod, ein Hedge-Fond-Manager, der von Damian Lewis verkörpert wird. Die Katze ist der US-Anwalt Chuck Rhoades, gespielt von Paul Giamatti, welcher versessen darauf ist, Axelrod wegen Insider-Handels zu verklagen. Zwei Dinge sind besonders fragil in der Finanzwelt: der Markt und Männlichkeit. Wir bekommen einen Eindruck von Letzterem, als Wendy, Axelrods Psychotrainerin, die gleichzeitig seine Ehefrau ist, während sie vor einer Gruppe von Tradern über Performance spricht eine Flasche Viagra präsentiert (mit durchaus gewollter Doppeldeutigkeit). »Wenn die Zeit gekommen ist, wenn Sie entscheiden müssen, ob Sie kaufen oder verkaufen, dann müssen Sie so hart sein wie Stein und bereit loszulegen.«, erklärt sie. Dies ist eine Männerwelt. Da zählt Machismus. Es war nicht nötig, in einer Serie über Wertpapierhandel, geschlechterspezifische Leistungen infrage zu stellen. »Billions« hat es trotzdem getan. In der ersten Folge der zweiten Staffel lernen wir eine Figur kennen, deren schiere Existenz die Dynamik zwischen geschlechtsspezifischem Verhalten und Macht zu einem faszinierenden Unterthema macht. »Hallo, mein Name ist Taylor. Meine Pronomen lauten they, theirs und them.«

Taylor Mason wird gespielt von Asia Kate Dillon – einer Person, die sich, wie ihre Figur, als nichtbinär identifiziert. Alison Willmore, die für Buzzfeed schreibt, bezeichnete die Rolle als »Meilenstein der Repräsentation«. Eine Serie wie »Billions« ist ein ungewöhliches Format um Androgynitäts-Repräsentationen voranzubringen, aber genau deshalb funktioniert es. Es wäre zu schrill, wenn eine Frau die Geschlechterdynamiken der Serie stören würde; genauso unglaubwürdig wäre es, wenn sich ein Mann auf dem Börsenparkett verwundbar zeigen würde. Es ist die gelassene Ausstrahlung von Taylor und nicht die Geschlechteridentität, die die Unsicherheiten der dreisten Männlichkeit bloßstellt. Wie die Fernsehkritikerin Emily Nussbaum in »The New Yorker« schrieb: »Wo, wenn nicht aus der Umkleidekabine heraus, wäre es besser, die Bro Culture zu zwicken?«

 

Für Dillon war es wichtig, dass Mason nicht als Gimmick eingesetzt wird. »Ich hätte Taylor niemals spielen wollen, wenn es nur für eine einzige Folge gewesen wäre, und wenn sich diese Folge nur um Geschlechteridentität gedreht hätte.«, sagt Dillon und gibt zu, beim ersten Lesen des Drehbuchs geweint zu haben. »Wenn es kein voll entwickelter Charakter gewesen wäre, hätte ich es nicht tun wollen, weil diese Repräsentation, ehrlich gesagt, ein alter Hut und nicht besonders interessant ist.«

Nichtbinäre Charaktere werden typischerweise auf zwei Arten repräsentiert: als Karikatur oder – noch schlimmer – als Persiflage. »All«, das von Benedict Cumberbatch gespielte androgyne Model in »Zoolander 2«, kommt einem als besonders groteske Darstellung in den Sinn. »Man kriegt entweder einen eindimensionalen Trans-, nichtbinären oder nicht geschlechterkonformen Charakter, und darum geht es in der Geschichte – und die ist üblicherweise tragisch – «, erzählte Dillon bei NBC News, »oder man kriegt das andere Ende, wo gerade weil man eine Trans-, nichtbinäre oder nicht geschlechterkonforme Person verkörpert perfekt und engelsgleich sein muss, damit wir mit Sicherheit sagen können: ‚Oh, sie sind nicht verstörend, sie können auch gute Menschen sein.’«

Nicht erst seit David Bowie als Ziggy Stardust in Erscheinung trat oder Tilda Swinton Orlando in der Filmadaption von Virginia Woolfs gleichnamigem Roman spielte, wurde vor einem Mainstream Publikum Androgynität mit Tiefgang oder auch Nuancierungen versehen. Niemand hat die Pflicht, diesen Kampf anzuführen, obwohl Dillon gerne die sprichwörtlichen Hosen dabei anhat. »[Ich habe] Nachrichten von Menschen [erhalten], die sagten, dass meine Figur ihre Herzen und Meinungen verändert hat«, sagt Dillon. »Ich habe das Gefühl, dass die Kunst wirklich die Kultur verändern kann … daher halte ich die Kunst für so mächtig.«