Follow my blog with Bloglovin

Aus der Ferne zur Nähe – »Nach dem Happy End« mit Alex & Orsolya

In unserer sisterMAG Serie »Nach dem Happy End« stellen wir euch Paare vor, die aufgrund ihr Herkunft und Entfernung einige Hürden auf sich nehmen mussten. Aber wie geht es eigentlich weiter nach dem großen Happy End? Wie leben die Paare heute? Lernt in dieser Ausgabe Alexander aus Thüringen und seine Frau Orsolya kennen, die sich in Österreich kennen und lieben gelernt haben und inzwischen gemeinsam in Ungarn leben.

Wenn ihr Lust auf eine andere Liebesgeschichte habt, schaut doch mal in der Ausgabe No. 53 vorbei, wo wir euch Andreas & Ashley vorstellen.

Aus der Ferne zur Nähe – »Nach dem Happy End«

Ein Blick hinter die Kulissen interkultureller Paare

Für das November-Interview in unserer Serie »Nach dem Happy End« haben wir mit unserem Autor Alex Kords gesprochen. Vor ein paar Monaten schrieb er uns, dass er ab sofort in Ungarn leben würde. Das hat natürlich unsere Neugier geweckt und im Interview erfahrt ihr mehr, wie Alex seine Frau Orsolya in Wien kennengelernt hat und warum die beiden sich für einen Umzug in ihre Heimat Ungarn entschieden haben – und wie es Alex dabei geht.

Alexander & Orsolya wohnen in Ungarn 

Aus welchen Ländern kommt ihr?

Ich komme aus Deutschland, meine Frau aus Ungarn.

Wie habt ihr euch kennengelernt? Was ist eure Liebesgeschichte?

Wir haben uns kennengelernt, als wir in Wien gleichzeitig in einer Sprachschule für Migranten gearbeitet haben. Es gab dort sehr viele Lehrer und wir wären einander wohl gar nicht aufgefallen, wenn wir uns nicht auf einer Weihnachtsfeier der Firma kennengelernt hätten. Bis zu unserem ersten Date hat es dann nicht lange gedauert und kurz danach waren wir auch schon ein Paar.

Wann wusstet ihr, dass ihr zusammenbleiben wollt? Seid ihr verheiratet? Habt ihr Kinder?

Wir wussten es eigentlich gleich :) oder relativ bald, nachdem wir ein Paar geworden sind. Es hat einfach gepasst. Wir haben uns etwa ein Jahr nach unserem Kennenlernen verlobt, drei Monate später war dann die Hochzeit. Nun sind wir glückliche Eltern von zwei Kindern.

Wie war die Hochzeit? Wie habt ihr die beiden Kulturen verbunden?

Zu unserer Hochzeit haben wir beide unsere Verwandten und einige Freunde nach Wien eingeladen. Danach sind wir mit der Hochzeitsgesellschaft über die Grenze nach Ungarn gefahren, wo wir in einem Restaurant gefeiert haben.

Was waren die Hauptdiskussionspunkte bezüglich Kindererziehung?

Wir haben eigentlich nicht lange über die Kindererziehung diskutiert. Auch heute sind wir so gut wie immer der gleichen Meinung über die wichtigsten Punkte. Es gibt zwar einige Unterschiede in Sachen Kindererziehung zwischen beiden Ländern, aber da haben wir vernünftige Kompromisse gefunden. Wichtig war uns von Beginn an, dass unsere Kinder unbedingt zweisprachig aufwachsen müssen.

Wie habt ihr entschieden, in welchem Land ihr leben möchtet?

Wir waren lange auf dem Stand, dass wir in Österreich bleiben wollen, weil es genau zwischen Deutschland und Ungarn liegt. Dann haben wir aber abgewogen, welche Vorteile es bringt, nach Ungarn zu ziehen: die relativ niedrigen Preise für Häuser, die geringen Steuern und Abgaben für Selbstständige, dazu noch ein Großeltern- Paar gleich in der Nähe, bei dem man auch mal die Kinder abgeben kann. Da fiel die Entscheidung dann nicht allzu schwer.

Wollt ihr irgendwann auch noch einmal im anderen Land leben?

Vielleicht, man weiß nie, was das Leben bringt, wir sind grundsätzlich offen für Neues. Weil wir unseren Kindern aber nicht zu viele Ortswechsel zumuten wollen, bleiben wir jetzt aber erst einmal eine Weile in Ungarn.

Über dich Alexander 

War es schon immer ein Traum von Dir, dauerhaft in diesem bestimmten Land zu leben?

Bevor ich meine Frau kennengelernt habe, hätte ich nie im Leben daran gedacht, irgendwann in Ungarn zu leben. Später haben wir kurz überlegt, nach Budapest zu ziehen, weil ich die Stadt sehr liebe. Aber dann war unser erstes Kind unterwegs und wir haben das Thema erst einmal ad acta gelegt.

Hast du die Sprache gesprochen, bevor du in das Land gezogen bist?

Ungarisch ist ja nicht unbedingt eine Sprache, die man in der Schule lernt und mit Englisch- oder Französischkenntnissen ist einem da auch nicht geholfen. Ich habe in den fast zehn Jahren unserer Beziehung ein ganz gutes Sprachverständnis erworben, aber das Sprechen fällt mir immer noch sehr schwer. Ich merke jedoch, dass ich vor Ort deutliche Fortschritte mache.

Wie gut kanntest du die Kultur?

Durch meine Frau und unsere regelmäßigen Besuche in Ungarn waren mir viele kulturelle Aspekte schon vor dem Umzug bekannt. Ich will mir aber unbedingt demnächst ein Buch über die spannende Geschichte Ungarns besorgen, weil ich darüber immer noch viel zu wenig weiß.

Wie leicht oder schwer war es für dich, dir in dem neuen Land eine berufliche Karriere aufzubauen?

Ich mache in Ungarn genau das gleiche wie in Österreich, weil ich für meinen Job als Redakteur, Übersetzer und Lektor nur meinen Computer und Internet brauche. Und meinen Kunden ist es ohnehin egal, von wo aus ich arbeite.

Was vermisst du am meisten an deinem Heimatland?

Natürlich vermisse ich meine Familie sehr, zumal ich nicht sehr häufig nach Deutschland komme. Ein paar Speisen aus meiner Heimat fehlen mir auch, vor allem Thüringer Rostbratwurst. :)

Was war das Schwierigste am Umzug?

Das Schwierigste war es, rechtzeitig ein Haus zu finden, in das wir einziehen konnten. Mieten ist in Ungarn nicht allzu weit verbreitet, man kauft hier eher eine Immobilie. Meine Frau hat also schon Monate vor dem geplanten Umzug im Internet nach Häusern gesucht, die zum Verkauf standen. Wir hatten einen gewissen Zeitdruck, weil unsere Tochter unbedingt ab September 2018 in Ungarn eingeschult werden sollte. Also haben wir den Sommer über ein Haus nach dem anderen besichtigt, aber keins hat gepasst. Preis, Zustand, Lage – irgendwas war immer das Problem. Kurz bevor wir aufgeben wollten und uns so langsam mit einem Leben in Österreich angefreundet hatten, haben wir das Haus gefunden, in dem wir jetzt leben. Und wir fühlen uns sehr wohl darin.