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»Straight Edge« – Kein Alkohol, kein Tabak, keine Drogen!

»Straight Edger« führen ein Leben voller Verzicht und Entbehrungen – und das freiwillig. Viele aktuelle Lifestyle-Bewegungen und ein anhaltender Fokus auf Nachhaltigkeit sowie Fitness beeinflussen viele Menschen in einer ähnlichen Richtung. Und diese Bewegungen sind alles andere als spießig oder uncool. Lest im sisterMAG Artikel von Marlen Gruner nach, warum.

Kein Alkohol, kein Tabak, keine Drogen!

Wie man »Straight Edge« leben und feiern und trotzdem cool sein kann

»Straight Edger« führen ein Leben voller Verzicht und Entbehrungen – und das freiwillig. Viele aktuelle Lifestyle-Bewegungen und ein anhaltender Fokus auf Nachhaltigkeit sowie Fitness beeinflussen viele Menschen in einer ähnlichen Richtung. Und diese Bewegungen sind alles andere als spießig oder uncool.

Was sich »Straight Edge« nennt und nach einer simplen Aussage anhört, ist der Inbegriff einer ganzen Bewegung. Diese Bewegung hat ihren Ursprung in der Hardcore-Punkszene. Übersetzt bedeutet dieser Lebensstil »Klare Kante« und erfunden hat ihn der Sänger der US-amerikanischen Punkbands »Minor Threat«, Ian McKaye.

Straight Edge – eine Bewegung aus der Hardcore-Punkszene

McKaye hatte im Jahr 1981 den Song »Straight Edge« geschrieben. »Don’t drink, don’t smoke, don’t fuck« singt er in einer Zeile. Der Song wurde damals zur Hymne einer Bewegung, die heute allein in Deutschland »Edger« im fünfstelligen Bereich zählt. Sie schwören allem ab, was das Denken und Handeln und damit die Persönlichkeit beeinflussen könnte.

Dazu gehört der Verzicht auf Alkohol, Tabak und Drogen jeglicher Art – ebenso triebgesteuertes Verhalten wie regelmäßige One-Night-Stands. Unter den Anhängern der Straight-Edge Bewegung, befinden sich zudem viele Veganer, die tierische Produkte von ihrer Speisekarte verbannt haben. Tattoos allerdings gehören zum Ausdruck der Persönlichkeit und sind erlaubt. Äußere, ausdrucksstarke Erscheinung trifft innere Werte – für die einen ein krasser Gegensatz, für »Edger« ein Lifestyle: Reales Leben anstatt Vollrausch, lautet die Devise.

Verzicht als Coolness-Faktor und Modell moderner Lebensweisen

Doch warum dieser Verzicht, fragt sich vielleicht der eine oder andere? »Die Szene ist bei jungen Menschen beliebt. Eine Generation deren Gedanken über Lebenshaltungen, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge immer mehr an Bedeutung gewinnt. Da kommt Straight Edge oft wie gerufen«, erklärt Gabriele Rohmann vom Berliner Archiv der Jugendkulturen (1). Die Anhänger hätten »genug von der Konsumgesellschaft und wollen an die Zukunft der Welt denken« (1). Viele Straight Edger setzen sich auch für Menschen- und Tierrechte ein, gegen Sexismus und Homophobie.

 

Damit sind sie nicht allein. Die Stichworte lauten »Clean Eating« bzw. »Clean Living«  und bezeichnen aktuelle Bewegungen rund um eine umweltbewusste und gesundheitsorientierte Lebensweise. Hier geht es um Menschen, die nicht nur dem Konsum von etwa Alkohol, anderen Drogen, Tabak und/oder Fleisch abschwören und industriell verarbeitete Lebensmittel von ihrem Speiseplan gestrichen haben.

Sie setzen auf gesunde, frische Nahrungsmittel und darüber hinaus auf einen natürlichen, schadstoffarmen Lebensstil ohne Chemie, Elektrosmog, Lärm und Feinstaub in den eigenen vier Wänden. Naturbaustoffe, Dachbegrünung, eine nachhaltige Stromversorgung durch Photovoltaik, Naturfarben, Strahlenfilter und Netzfreischalter zur temporären Trennung vom Stromnetz stehen hier im Fokus.

Im Beautybereich sind Naturkosmetika ohne Chemie und andere Zusätze angesagt. Immer mehr Hersteller von dekorativer und pflegender Kosmetik setzen zunehmend auf natürliche Inhaltsstoffe. Auch Sport rückt vermehrt in den Fokus. Dieser saubere Lebenstrend macht sich gesellschaftlich bemerkbar.

Weniger Rauchen, mehr Fitness

So ist allein die Anzahl der Raucher in Deutschland laut Statista (2) zwischen 2000 und 2015 von 22,22 auf 18,85 Millionen Menschen gesunken. Für das Jahr 2020 werden nur noch lediglich 17,53 Millionen Qualmende erwartet. Gleichzeitig steigen aber die Mitgliederzahlen in Fitnessstudios: Während 2003 laut Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) noch 4,4 Millionen (3) Menschen Gewichte hoben und Kurse absolvierten, waren es 2017 schon 10,6 und 2018 sogar 11,1 Millionen Fitness-Enthusiasten.

Eine gesundheitsbewusste und nachhaltige Lebensweise mit dem Schwerpunkt auf Selbstoptimierung gilt als durchaus cool, selbst wenn man nicht komplett »Straight Edge« lebt. Denn wichtiger ist, dass jeder seinen Weg findet, um sich und seine Persönlichkeit zu verbessern. Dafür lehnt der eine eben das Rauchen, der andere Drogen, der nächste Alkohol, One-Night-Stands oder tierische Produkte ab. Worum es doch am Ende des Tages geht, ist ein zufriedenes Leben nach eigenen, selbst gewählten Grundsätzen. Die friedliche Koexistenz verschiedener Lebensstile, und ein respektvolles Miteinander.

So kann man mit Saft- anstatt Weinschorle eine Party feiern, ohne von anderen schief angeguckt zu werden. Auch der Kater am nächsten Tag bleibt sicher aus und die mentale Gesundheit dankt es außerdem noch, wie eine Studie der Universität von Hongkong (4) zeigt. Gleiches gilt für den Verzicht auf Partyrauchen, wie die statistischen Zahlen beweisen. Sich für diesen Lebensstil rechtfertigen? Nein, das muss niemand heute mehr. »Straight Edge« ist ein einst revolutionärer Lifestyle, der zunehmend zur Selbstverständlichkeit wird und, frei ausgelebt werden möchte.