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Aus der Ferne zur Nähe – »Nach dem Happy End« mit Jaclyn

Nach dem erfolgreichen Start unserer neuen Serie »Nach dem Happy End« in sisterMAG 51 geht es nun in die nächste Runde: Wir stellen euch Jaclyn und Daniel vor, die mittlerweile gemeinsam in Berlin leben und frisch verheiratet sind. Jaclyn ist Kanadierin und für die Liebe nach Deutschland gezogen. Wie es den beiden auf ihrem gemeinsamen Weg bisher so ergangen ist, wie die Hochzeit war und wie es für Jaclyn ist, die deutsche Kultur kennenzulernen, erfahrt ihr hier im sisterMAG.

Aus der Ferne zur Nähe

»Nach dem Happy End«

Ein Blick hinter die Kulissen interkultureller Paare

Nach dem erfolgreichen Start unserer neuen Serie »Nach dem Happy End« in sisterMAG No. 51 geht es in unserer September-Ausgabe direkt weiter mit einem spannenden Interview. Hierfür haben wir mit Jaclyn eine in Deutschland lebende Kanadierin interviewed. Die Liebe zu Daniel hat zu ihrem Umzug nach Deutschland geführt, die dieses Jahr mit einer kanadisch-bayrischen Hochzeit gekrönt wurde. Lernt mehr über die beiden, wie sie sich kennengelernt haben und wie Jaclyns Start im neuen Land verlaufen ist.

DANIEL & JACLYN

wohnen in BERLIN, Deutschland

Aus welchen Ländern kommt ihr beide?

D: Ich komme aus Deutschland.

J: Ich komme aus Kanada.

Wie habt ihr euch kennengelernt? Was ist eure Liebesgeschichte?

D: Wir haben uns 2011 in Toronto auf der Hausparty eines gemeinsamen Freundes getroffen, während ich dort ein Jahr lang gelebt habe. Leider haben wir uns nur zwei Monate vor meiner Abreise aus Kanada getroffen. Die Chemie hat sofort gestimmt, wir waren uns aber beide einig, dass keiner von uns an einer Fernbeziehung interessiert ist. Wir dachten also: Es war großartig, aber das war’s dann auch. Allerdings haben wir uns dann über Skype etc. so ziemlich jeden Tag unterhalten und uns unglaublich gut verstanden. Und ehe wir uns versahen, hatte J ein Ticket gebucht, um mich über Silvester in Deutschland zu besuchen. Sie kam, und wir fuhren von München (wo ich zu dieser Zeit gelebt habe) nach Berlin, um mit Freunden zu feiern. Die ganze Erfahrung war so fantastisch, und wir haben gemerkt, dass wir uns verlieben, also hat unser Plan, keine Fernbeziehung zu führen, offensichtlich nicht funktioniert. Deshalb haben wir angefangen, einander so oft wie möglich zu besuchen. Wir haben immer gesagt, dass wir weitermachen, solange es sich für uns beide richtig anfühlt. Aber plötzlich waren fünf Jahre vergangen, und J beschloss, zu mir nach Deutschland zu ziehen.

J: Lass uns nicht das erste Date in Toronto vergessen (zu dem ich beinahe »nein« gesagt hätte). Dan schlug vor, dass wir mit einer Fähre nach Toronto Island übersetzen und in einem kleinen Restaurant zu Abend essen und etwas trinken. Danach sind wir mit den Fahrrädern zum Strand gefahren und haben den Sonnenuntergang beobachtet. Es war unglaublich romantisch, und jetzt besuchen wir den Ort jedes Mal, wenn wir in Toronto sind.

Wann wusstet ihr, dass ihr zusammenbleiben wollt? Seid ihr verheiratet? Habt ihr Kinder?

J: Ich denke, das war eines dieser vielen Male, als wir uns am Flughafen verabschiedet haben. Diese Momente waren immer die härtesten und haben für mich die Dinge ins rechte Licht gerückt.

D: Ich könnte mich nicht auf den exakten Moment festlegen, in dem ich wusste, dass es das Richtige ist. Aber vor etwa einem Jahr dachte ich, dass ich mein Leben mit dieser Frau verbringen möchte, und der einzige Weg, dies tatsächlich tun zu können, ist, sie zu heiraten. Also habe ich ihr einen Heiratsantrag gemacht, und wir haben dieses Jahr im April standesamtlich geheiratet. Unsere Hochzeitsfeier fand am 10. August statt. Wir haben keine Kinder – noch. ;)

Wie war die Hochzeit? Wie habt ihr die beiden Kulturen verbunden?

D: Ich komme aus Bayern, und wir fanden beide die Idee toll, eine Hochzeit in der bayerischen Provinz mit Blick auf die Berge und in bayerischen Trachten zu feiern. Also haben wir das mit der Ästhetik von kanadischer Wildnis/Landschaft kombiniert, und es hätte nicht besser und schöner sein können. Es kamen auch eine Menge Freunde aus Kanada und den USA. Es war wirklich absolut perfekt und hat sehr zu uns gepasst.

J: Es war wirklich umwerfend, dass alle, die wir lieben, an einem Ort zusammengekommen sind. Auf der Feier wurde sowohl Deutsch als auch Englisch gesprochen, es gab Oktoberfest-Spiele während der Cocktail-Stunde, die Ponys auf dem Bauernhof hatten geflochtene Mähnen mit Wildblumen darin, und wir hatten unseren ersten Tanz zu »Wild Horses« von den Rolling Stones.

Wie habt ihr entschieden, in welchem Land ihr leben möchtet?

J: Das war ziemlich einfach. Daniel hatte seine Möglichkeiten ausgeschöpft, als Freiberufler in Kanada zu leben und zu arbeiten, für mich gab es aber in Deutschland noch viele Visas, die ich beantragen konnte. Ich hatte noch nie im Ausland gelebt, und obwohl es schwer für mich war, Freunde, Familie und Karriere in Kanada hinter mir zu lassen, war das die beste Möglichkeit, unsere Beziehung anzugehen.

Wollt ihr irgendwann auch noch einmal im anderen Land leben?

D: Toronto ist meine zweite Heimat und ich liebe die Stadt sehr, also gefällt mir der Gedanke, irgendwann wieder dorthin zu ziehen.

J: Ich denke, wir können uns beide gut vorstellen, irgendwann zurück nach Kanada zu gehen.

ÜBER DICH JACLYN

War es schon immer ein Traum von dir, dauerhaft in diesem bestimmten Land zu leben?

J: Nein, ich hätte nie gedacht, dass Deutschland ein Land ist, in dem ich mal leben würde. Besucht hätte ich es sicher, aber es war schon eine Überraschung für mich.

Hast du die Sprache gesprochen, bevor du in das Land gezogen bist?

J: Nein, leider nicht.

Wie gut kanntest du die Kultur?

J: Ich wusste nicht wirklich viel darüber.

Wie leicht oder wie schwer war es für dich, dir in dem neuen Land eine berufliche Karriere aufzubauen?

J: Die größte Herausforderung ist, meine Karriere als Fotografin in Deutschland mit der Sprachbarriere und ohne bestehendes Netzwerk neu zu starten. Aber ich sage immer, dass es ein paar Jahre dauert, etwas aufzubauen – ganz gleich, wo man ist. Aber mit einem neuen Markt konfrontiert zu sein und abseits der kleineren kanadischen Kreativszene dazuzulernen, ist großartig.

Was vermisst du am meisten an deinem Heimatland?

J: Oh Kanada… ich vermisse immer die sehr sonnigen (aber trotzdem eisigen) Winter in Toronto, den Geruch des Waldes, dass einen die Kassierer im Supermarkt oft fragen, was man zum Abendessen macht und die große Auswahl an Restaurants aus verschiedenen Kulturen.

Was war das Schwierigste am Umzug?

J: Der härteste Teil war, meine besten Freunde und meine Familie zurückzulassen. Ich vermisse meine Freundinnen jeden Tag. Und Daniel und ich haben ein richtig enges Verhältnis zu meiner Schwester, ihrem Partner und ihrer Stieftochter, daher ist es schwer, sie (maximal) einmal im Jahr zu sehen.