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Kirgisischer Roadtrip – Tipps für eine Reise nach Kirgisistan

Karolina Wiercigroch nimmt euch im sisterMAG mit auf einen spannenden Roadtrip durch Kirgisistan in Zentralasien. Ein Land, das wohl die meisten nicht so richtig auf dem Schirm haben, das aber definitiv Aufregendes zu bieten hat! Karolina teilt ihre wertvollen Tipps mit euch und wer weiß, vielleicht verschlägt es jemanden von euch ja auch bald nach Kirgisistan – wir können es empfehlen!

»Into The Wild«

Kirgisischer Roadtrip – Tipps für eine Reise nach Kirgisistan

»Ein weiser Mann ist nicht der, der am längsten gelebt hat, sondern der, der am meisten gereist ist.« – Kirgisisches Sprichwort

Vor den 70 Jahren absoluter Isolierung hinter dem Eisernen Vorhang war Kirgisistan das Tor zum Westen für die Kaufmänner der Seidenstraße. Heute sind die ehemals staubigen Pfade der berühmten Handelsroute Asphaltstraßen, die einen Roadtrip durch Kirgisistan zu einer faszinierenden Reise auf dem Landweg machen. Über 90 Prozent des Gebiets befinden sich mindestens 1.500 Meter über dem Meeresspiegel und 41 Prozent in über 3.000 Metern Höhe – dieses Land bietet einige der dramatischsten und vielfältigsten Aussichten der Welt. Kurvige Straßen winden sich durch abfallende Hänge, und grüne Bergwiesen werden zu alten Walnuss-Wäldern oder üppigen Obstwiesen, klaren Gebirgsseen und Tälern, die mit Blumen gesprenkelt sind.

Organisatorisches

Auto: Es gibt mittlerweile einige verlässliche Firmen, die Autovermietung in BISCHKEK anbieten, unter anderem IRON HORSE NOMADS oder Travel Land. Für diejenigen, die gleich mehrere Länder in Zentralasien erkunden möchten, gibt es auch Mietwagen, die dafür geeignet sind – auf manchen Straßen ist ALLRADANTRIEB ein Muss.

MAPS.ME ist die beste App, um durch Kirgisistan zu kommen.Wer nicht selber fahren möchte, kann sich auch ein Auto mit Fahrer mieten.

Übernachtung: Wenn es um Übernachtungen in kleineren Städten geht, kann es hilfreich sein, Hilfe von CBT (Community Based Tourism) einzuholen. Dies ist eine ortsansässige Organisation, die Gemeinden helfen möchte, vom Tourismus zu profitieren. Es gibt ein großes Netzwerk an Kontakten, die es Touristen ermöglichen, auch abseits der gewohnten Wege eine sichere Übernachtung zu finden.

Die schönsten Straßen in Kirgisistan

  1. Bischek -> Karakol -> Kotschkor

Mit den sowjetischen Zeichen der Hauptstadt im Rücken machen wir uns auf eine Reise um den Yssykköl-See.

Auf Kirgisisch bedeutet das so viel wie »WARMER SEE«, denn obwohl das Gewässer von schneebedeckten Gipfeln umrundet ist, gefriert das Wasser dort nie. Das dort herrschende feucht-warme Klima hat Yssykköl zu einem der Top-Kurorte der UdSSR gemacht. So reiste Juri Gagarin für eine wohlverdiente Pause nach seiner Pionierfahrt ins Weltall im Jahr 1961 dorthin. Die Straße folgt dem Ufer vorbei an leuchtenden Feldern und eisigen Bergspitzen. Lange Strecken staubiger Wüste wechseln sich mit verschlafenen Dörfern und belebten Bauernhöfen ab, wo Bewohner frische Früchte und duftendes Gemüse von kleinen Karren verkaufen.

Übernachtung: 

BISCHKEK – ABK Boutique Hotel – ein schickes Haus mit schattigem Garten und einem Außen-Schwimmbad

KARAKOL – Hillside Karakol – leckeres Frühstück und eine tolle russische Sauna als perfekte Belohnung nach einer anstrengenden Wanderung

KOTSCHKOR – ein Haus mit Hilfe der örtlichen CBT-Niederlassung

Länge: 655 km

Fahrzeit: 10 Stunden

Straßenzustand: Guter Asphalt

Highlight:

Wir haben unsere Reise in Karakol unterbrochen, um in Altyn Arashan und dem Karakol-Tal zu wandern. Wenn man mehr Zeit hat, lohnt sich die 2 bis 4 Tage Wanderung zum Alaköl-See – eine der beliebtesten Wanderrouten in ganz Kirgisistan.

Snack-Pause:

In einem der vielen russischen Imbisse in Tscholponata kann man Pelmeni zu Mittag essen – leckere Teigtaschen in einer duftenden Brühe. In Karakol sollte man den Markt für eine Schüssel Ahlan-fuu aufsuchen – ein leckeres dunganisches Gericht mit scharf gewürzten kalten Nudeln.

2. Kotschkor -> Songköl-See -> Ak-Tal

Nachdem wir das verschlafene Städtchen Kotschkor bereits im Morgengrauen verlassen hatten, sind wir einer breit geteerten Straße gefolgt und haben den Sonnenaufgang über den weit entfernten, verschneiten Bergen bewundert.

Rechts biegen wir auf eine Schotterstraße in Richtung des Kalmak-Ashuu-Passes ab und fahren zum SONGKÖL-SEE (der »letzte See« auf Kirgisisch). Der Name scheint ziemlich treffend, da der zweitgrößte See des Landes auf einer Höhe von 3.016 Metern ausschließlich über Gebirgspässe erreicht werden kann – es fühlt sich wirklich an wie das Ende der Welt. Songköl ist wie ein Postkarten-Schnappschuss des Nomadenlebens: ein türkisfarbener See, Schäfer auf Pferden, grüne Wiesen, auf denen Jurten aufgeschlagen sind, kahle Berge mit Schneespitzen und Herden von Rindern, Pferden und Yaks. Die Fahrt um den See ist dank zahlreicher Unebenheiten, scharfer Steine und Flusskreuzungen eine Herausforderung. Wir verlassen den See am Süd-Ende und halten an, um die dramatische Sicht auf die Berge vom MOLDO-ASHUU-PASS zu bewundern. Die schroffe, sich windende Straße führt uns nach unten, und die grüne Steppe weicht wilden Wiesen und trockenen Steinen.

Übernachtung: 

SONGKÖL-SEE – einen Aufenthalt mit der Jurte über das CBT-Büro in Kotschkor organisieren. Hier sollte man nach einer Gäste-Jurte bei einer Schäferfamilie fragen, um nicht in einem großen Jurten-Camp zu landen.

Von AK-TAL aus in Richtung Westen nach KASARMAN oder in Richtung Osten nach NARYN findet man Übernachtungsmöglichkeiten bei Gastfamilien durch CBT.

Länge: 195 km

Fahrzeit: 6 Stunden

Straßenzustand: Guter Asphalt auf der A365, dann folgt ein unbefestigter Schotterweg zum See, der nur für Fahrzeuge mit Allradantrieb geeignet ist. Um den See herum sind sehr gute Fahrkenntnisse nötig, da das Terrain anspruchsvoll sein kann.

Highlight:

Die Nacht mit einer Schäferfamilie in einer Jurte verbringen. Den Sonnenunter- und -aufgang am See erleben und das alltägliche Nomadenleben beobachten.

Snack-Pause:

Eine Mahlzeit in der Jurte. Der kirgisische Mittagstee besteht aus unendlich viel Tee, begleitet von frisch gebackenem rundem Brot (Nan oder Lepyoschka), KAYMAK (sehr dickflüssige und fetthaltige Sahne), Honig aus dem Ort und einer Auswahl von hausgemachter Marmelade: wilde Blaubeere, Aprikose und Himbeere. Unbedingt probieren: KUMIS, ein traditionelles kirgisisches Getränk aus fermentierter Stutenmilch.

AK-TAL

3. Ak-Tal -> Kasarman -> Osch

Diese Straße hat aus gutem Grund den Ruf als eine der aufregendsten Strecken in Kirgisistan: Über Berge und Gebirgspässe führt sie durch steile Abgründe.

Da sie nur zwischen Juni und September befahrbar ist, ist die staubig-windige Stadt KASARMAN einer der isoliertesten Orte des ganzen Landes. Wenn jegliche Straßen im Winter durch Schnee blockiert sind, ist die ganze Stadt monatelang komplett abgeschnitten. Im Sommer allerdings bietet diese Strecke unvergleichbare Aussichten auf die Berge, beginnend mit einer Abfolge grünender Täler und dem Anstieg zum 3.500 Meter hohen KARA-KOO-PASS. Der steile Weg mit seinen gewundenen Kurven wird mit wirklich außergewöhnlichen Aussichten belohnt: Weich geformte Berge erstrecken sich unendlich in vielfältigen Schattierungen von Gelb, Rot, Lila und Blau. Von Kasarman aus wirkt es, als ob man in einem Meer von Gras fährt, vorbei an der gelegentlichen Jurte und Schäfern, die ihre Tiere auf den Hängen der schwarzen Lava-Berge grasen lassen. Wir fahren an samtig-grünen Dünen, üppigen Tälern und dichten Wäldern vorbei, bis wir endlich im glühend heißen Ferghanatal ankommen und damit auch in der Stadt OSCH – der ältesten Stadt in Kirgisistan, die vor langer Zeit ein wichtiger Knotenpunkt der Seidenstraße war.

Länge: 355 km

Fahrzeit: 10 Stunden

Straßenzustand: Unterschiedlich, Allradantrieb definitiv empfohlen.

Highlight:

Die Mondlandschaft am KARA-KOO-PASS. Hier muss man auf jeden Fall einen Zwischenstopp für Fotos einplanen.

Snack-Pause:

Da die Gegend sehr abgelegen ist, lohnt sich ein Supermarkt-Einkauf in AK-TAL oder KÖK-DSCHAR. Dann kann man sich gemütlich irgendwo zu einem Picknick mit Aussicht niederlassen.

Übernachtung:

KASARMAN – Übernachtungsmöglichkeiten bei Gastfamilien durch CBT.

OSCH – ASMAN GUEST HOUSE – gemütliche Zimmer mit eigenem Bad und freundlichen Gastgebern, die leckeres Frühstück im Garten servieren.

4. Osch -> Sary Mogul

Mit prall gefüllten Tüten voller Aprikosen, getrockneter Früchte und Pistazien vom Jayma Basar, einem der größten und buntesten Märkte Zentralasiens, machen wir uns auf den Weg zum kirgisischen Teil der M41.

Der berühmte PAMIR HIGHWAY ist die zweithöchste Fernstraße der Welt und eine der malerischsten Strecken auf diesem Planeten. Die Straße führt von OSCH aus zur tadschikischen Grenze und den ganzen Weg nach DUSCHANBE, der Hauptstadt Tadschikistans. Die Kombination guter Straßen und hoher Berge ist unschlagbar. In SARYTASCH wenden wir uns vom Highway ab und fahren zur entfernten Stadt SARY MOGUL, während wir die schneeweißen Spitzen der PAMIR-BERGE bewundern. Wenn man dafür Zeit hat, lohnt sich eine Wanderung – ein Ausflug zu den KOSCHKOL-SEEN (4.195 Meter) kann in einem Tag geschafft werden, und es gibt viele Optionen für Ausflüge, die mehrere Tage dauern.

Länge: 220 km

Fahrzeit: 3½ Stunden

Straßenzustand: Perfekter Asphalt

Highlight:

Das Gefühl der Entfernung und die Sicht auf die hohen Berge. An klaren Tagen kann man den hohen PIK LENIN (7.134 Meter) sehen.

Snack-Pause:

Örtliche Schäfer haben kleine Straßenstände mit frischer Kumis, Kaymak, Joghurt und Kurut (getrocknete, salzige Joghurtbällchen). Man kann sich dort auch für einen Tee und eine warme Mahlzeit niederlassen.

Übernachtung:

SARY MOGUL – Guest House Abdumalik – einfache, traditionelle Unterkunft mit freundlichen Gastgebern und selbst gekochten Mahlzeiten. Abdumalik kann auch die Sauna anfeuern, was von Vorteil ist, da selbst im Sommer die Temperaturen nachts unter null Grad fallen können.

5. Osh -> Bischkek

Diese Straße verbindet den Norden mit dem Süden des Landes und ist einer der am meisten bereisten Straßen Kirgisistans.

Eine aufregende Fahrt, die sich über die Hände des TIEN SHAN windet – die Berge des Himmels, die sich über KIRGISISTAN, KASACHSTAN und USBEKISTAN erstrecken. Der Ausflug beginnt mit einer atemberaubenden Schau einer pastellfarbenen Wüste, rotem Gestein und azurblauen Seen. Die Straße schwingt um die traumhaften saphirfarbenen Gewässer des Toktogul-Reservoirs durch die karge, helle Landschaft des CHYCHKAN-FLUSSTALS. Dann schlängelt sie sich hinauf in ein Land von leuchtendem Grün, wo die Ortsbewohner Bio-Honig aus den Wäldern verkaufen (MYOD). Der mächtige ALA-BEL-PASS (3.184 Meter) ist unser Tor zum üppigen SUUSAMYR-TAL. Im Winter verlassen, bietet dieser ruhige Ort beste Bergwiesen (jailoo), die im Sommer mit Jurten und Vieh getupft sind. Hierher kommen die Touristen aus Bischkek, um Kumis zu trinken und der geschäftigen Stadt zu entkommen. Auch wir trinken hier ein Glas KUMIS, bevor wir uns auf den höchsten Punkt dieser Fahrt begeben: den TOR-ASHU-PASS (3.586 Meter).

Länge: 620 km

Fahrzeit: 11 Stunden

Straßenzustand: Guter Asphalt auf der meisten Strecke.

Highlight:

Die fantastische Sicht auf das grünende Tal des SUUSAMYR vom TOR-ASHU-PASS

Snack-Pause:

Frisch frittierter Karpfen mit scharfer Soße und tolle Sicht auf das Toktogul-Reservoir im Cafe Aquarium. Typische Kumis, Brot und Kaymak in den Jurten im SUUSAMYR-TAL.

Übernachtung:

Die Fahrt kann an einem Tag unternommen werden – sollte man dennoch eine Übernachtung einplanen wollen, ist die Stadt TOKTOGUL ein guter Anhaltspunkt. Dort gibt es einige Pensionen, z.B. das RAHAT GUEST HOUSE.