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Sandro Botticellis »Venus und Mars« re-interpretiert in Literatur und Film

Blickt mit uns und Autor Michael Neubauer im sisterMAG hinter die Kulissen unseres Titelgemäldes »Venus und Mars« (um 1483) des italienischen Renaissance-Malers Sandro Botticelli. Erfahrt mehr über die Hintergründe und Entstehung des Bildes und die Re-Interpretation des zugrunde liegenden Mythos in Literatur und Film.

  • Text: Michael Neubauer

Sandro Botticelli »Venus und Mars«, Florenz um 1483

 »Du wirst schwer erraten, wer nach Dir als nächster heiraten will. Es ist Goethe, der in Böhmen ein Fräulein liebt. Das Mädchen ist ganz schwärmerisch für den Geheimrat eingenommen. (…) Ich hoffe, daß Goethe in einem Alter von 74 Jahren nicht so unweise handeln wird.« (Charlotte Schiller im Oktober 1823) (5)

Gibt es ein Alter für die Liebe? Ich glaube nicht. In all den Jahrhunderten, die hinter uns liegen, war sie neben Macht und Einfluss das Thema Nummer eins unter den Menschen. Schon seit dem 4. Jh. v. Chr. nannte man die Tochter des Jupiters und Mutter des »göttlichen« Aeneas »Venus« (griechisch Aphrodite) und vergötterte in ihr die Liebe und weibliche Anmut. Immer in Begleitung von Amor (Eros) schenkte sie ihre Zuneigung dem altitalischen Kriegsgott »Mars« (Ares), Vater von Romulus und Remus, dem staatsschirmenden Symbol aller Männlichkeit. Reichlich Stoff mythischer Auslegungen in Literatur und Kunst!

»Venus und Mars« wurde von Sandro Botticelli um 1483 gemalt.  Der Florentiner Botticelli war ein bedeutender Vertreter der italienischen Frührenaissance. Renaissance heißt Wiedergeburt, gemeint ist die Antike. Der Mensch steht wieder im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens.

Das Gemälde ist groß, 69 cm hoch und 173 cm breit, gemalt mit Öl auf Holz. Auch das Gemalte selbst streckt die Sicht des Betrachters in die Breite. Venus und Mars liegen in der vorderen Ebene, die ganze Breite ausfüllend. Starker Kontrast besteht zwischen der wachen, vollständig von einem kostbaren Kleid bedeckten Venus und dem völlig entkleideten, nur mit einem Tuch in der Scham bedeckten Mars. Steht hier Überlegenheit neben Schwäche, Harmonie gegen Auseinandersetzung? Die Gesichtszüge der Venus sind glatt, wenig charakteristisch und sicher nicht auf eine konkrete Person bezogen. Trotzdem wandert der Blick zuerst auf ihr offenes waches Gesicht. Mars dagegen hat die Augen geschlossen, das Haupt ist nach hinten gekippt, die Lippen sind genüsslich geöffnet. Träumt er, vielleicht über das bereits erfolgte Liebesspiel? Hier aber gehen die Meinungen der Experten auseinander, war es schon oder erfolgt es erst? (3)

Neben den beiden Götterfiguren fallen 4 kleine Fabelwesen auf, 3 von Ihnen hinter Venus und Mars die Lanze von Mars haltend und mit dieser Linie den Querverlauf des Bildes unterstützend. Ihre schellmischen Gesichter verraten ihr Wissen über die beiden vor ihnen Liegenden. Der linke Satyr trägt die linke Seite der Lanze, sein Gesicht ist durch den blankgeputzten Helm von Mars, den er trägt, verborgen. Der mittlere zeigt indem er die Lanze umgreift in seinem kindlichen Gesicht ein spitzbübisches Lächeln. Wichtig ist der rechte Bube. Er pustet mit eine Muschel Mars in das rechte Ohr, was sagt er ihm? Will er ihn erwecken, übermittelt er gar eine heimliche Nachricht von Venus? Im Bild rechts unten zeigt sich das vierte faunische Fabelwesen. In einer Rüstung steckend und den Handgriff eines Schwertes umgreifend deutet er auf das Kriegerische seines darüber liegenden Gottes. Um den Kopf des Mars schwirren mehrere Wespen, die von den Historikern als Hinweis auf die Familie Vespucci in Florenz gesehen werden, deren Familienwappen sie bilden. (3) Den Hintergrund des Bildes bildet eine ruhige flache Landschaft, die im Horizont in ein Gebirge, sicher die Apenninen bei Florenz, übergeht.

Das Original hängt in der National Gallery in London.

Ein Gemälde nahezu identischer Komposition schuf Piero di Cosimo um 1505 mit »Venus, Mars und Amor«, es hängt in den Staatlichen Museen in Berlin.

Die Auftraggeber für das Gemälde sind nicht mit Sicherheit nachzuweisen. War es die berühmte Familie der Medici oder die Florentiner Familie Vespucci, sollte es eine Hochzeit krönen oder war es nur als »Triumpf des Friedens über den Krieg« (4) gemeint? Die Historiker haben sich darauf geeinigt, dass es am ehesten als mobile Tafel, als Wandschmuck bei passenden Gelegenheiten gedient haben könnte. Einigkeit besteht auf jeden Fall zur Aussage des Gemäldes: »Der Sieg der Liebe über die Gewalt« (3) – und dieser Wunsch hatte und hat Gültigkeit für alle Zeiten.

Wir schauen über die gesamte sisterMAG Ausgabe an verschiedenen Beispielen, wie das Thema »Der Sieg der Liebe über die Gewalt« Eingang in die Literatur gefunden hat.

Odysseus und Penelope

Verfilmung in

  • „Die Fahrten des Odysseus“, 1954 mit Kirk Douglas, Silvana Mangano und Anthony Quinn in den Hauptrollen
  • „Die Abenteuer des Odysseus“ in 2 Teilen, 1997, mit Armand Assante, Greta Scacchi und Isabella Rossellini in den Hauptrollen

Odysseus war ein heroischer Kämpfer im Trojanischen Krieg gewesen. Siegreich setzte er die Segel, um in sein Königreich, zu Frau und Kind, Penelope und Telemachos auf die Insel Ithaka zurückzukehren. Immer wieder verzögerten aufgezwungene Kämpfe, Widrigkeiten des Wetters oder des Materials über Jahre eine baldige Ankunft. In der Zwischenzeit bedrängten einheimische Freier Penelope um Gunst und Liebe. Sie jedoch blieb fest in ihrem Willen, die einst versprochene Treue und Liebe zu Odysseus zu halten und wartete auf ihn. Mit Erfolg!

 Minna von Barnhelm und Major von Tellheim

Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing in 5 Akten, Titel: „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ Uraufführung in Hamburg 1767

Verfilmung unter dem gleichnamigen Titel 1962 durch die DEFA mit Marita Böhme, Otto Mellis und Christel Bodenstein in den Hauptrollen

  1. Der siebenjährige Krieg ist zu Ende. Neben einer großen Reihe kriegsbeteiligter Nationen und Fürstentümer standen sich Preußen und Sachsen gegenüber. Preußen gehörte zu den großen Siegern.

Der preußische Major von Tellheim fällt schon vor Kriegsende in Ungnade, weil er sich im besetzten Sachsen zu wenig „preußisch“ verhalten hat. Im Gegenteil! Er hatte Gefallen an der jungen, schönen sächsischen Edelfrau Minna von Barnhelm gefunden und beide demonstrierten ihre Liebe nach außen durch eine Verlobung. Finanzielle Sorgen verbieten ihm die folgerichtige Hochzeit, verzweifelt wendet er sich ab. Mit Charme, List und Vernunft gelingt es Minna, ihn und die gemeinsame Liebe zurückzugewinnen.

Lessing schreibt mit diesem Lustspiel ein typisches Werk der Aufklärung. Minna ist nicht die passive, wartende, sondern eine selbstbewusste und von eigenen Interessen geleitete Heldin, die der Liebe zu ihrem Sieg verhilft.

Josephine und Napoleon

Das Leben Josephines mit Napoleon wurde in 32 Filmen dargestellt, in der Liste der Darsteller fehlt kaum ein Name prominenter Schauspielerinnen und Schauspieler (2).

1794 stirbt der Offizier der Rheinarmee und ehemalige Vorsitzende der Nationalversammlung Frankreichs Vicomte Alexandre de Beauharnais durch das Terrorregime der Jakobiner unter der Guillotine. Zurück bleibt seine Frau Josephine. 1796 heiratet sie den viel jüngeren Napoleon Bonaparte, den sie schon aus früheren Jahren kannte. Sie wird Kaiserin von Frankreich, er liebt sie mehr, als sie ihn, aber die Ehe bleibt ohne Kinder. Die Scheidung muss deshalb 1810 folgen, für sie materiell eher folgenlos. Reiche Abfindungen – sie bleibt Kaiserin, Geld spielt keine Rolle – erhalten den luxuriösen Lebensstil. In ihrem Schlossgut Malmaison bei Paris residiert sie und empfängt im Frühjahr 1814 einen der Sieger der Befreiungskriege, den russischen Zar Alexander I. Durch Ihre immer noch fortlebende Zuneigung und Liebe zu Napoleon, er war mittlerweile auf die Insel Elba verbannt worden, mildert sie so manches harte Urteil seiner Kontrahenten.

Elizabeth Bennet und Mr. Darcy 

Roman »Stolz und Vorurteil«  von Jane Austen von 1813, verfilmt unter dem Titel „Stolz und Vorurteil“,  2005 mit Keira Knightley, Matthew Macfadyen und Talulah Riley in den Hauptrollen.

Der Roman spielt am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert in der Nähe von London. Die Familie Bennet, zum Adel gehörend, aber wenig vermögend, hat 5 Mädchen, die möglichst standesbewusst zu verheiraten sind, so dass »Stolz und Vorurteil« schon vorprogrammiert sind. Das zeigt sich vor allem an dem Verhältnis zwischen Elizabeth und Mr. Darcy. Elizabeth ist eine schöne junge Frau, witzig, klug und selbstbewusst. Sie findet den reichen Mr. Darcy gar nicht toll und sympathisch. Er wiederum gesteht sich seine Gefühle ihr gegenüber nicht ein, weil sie materiell nichts zu bieten hat. Verwirrungen, Intrigen, weitere junge Herren, die die Köpfe der Mädchen, vor allem auch die der Mutter verdrehen, lassen Elizabeths Vorzüge, ihre Schönheit und Lebensfreude, in den Augen Mr. Darcys immer mehr gewinnen. Er verliebt sich in sie. Aber eine Heirat lehnt sie ab. Beide erkennen, dass falsche Informationen, dumme Reaktionen, immer wieder aufbrechende Standesfragen zwischen ihnen stehen. Erst langsam erkennt Elizabeth den ihr bisher verborgenen aufrichtigen Charakter Darcys. Dieses Gefühl verleiht ihr die Kraft, den Anfeindungen seiner Familie zu widerstehen, um ihn zu kämpfen und zur wiederholt gestellten Frage »Heiratest Du mich?« ein freies »Ja« zu sagen.

Jane Eyre und Rochester

  • Roman von Charlotte Bronte, 1847 erschienen
  • Verfilmt unter dem Titel Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender (2011) in den Hauptrollen

Jane ist eine einfache Frau im 19. Jahrhundert, aber eigenständig und mit einem starken Willen. Sie arbeitet als Gouvernante für das Mündel eines alleinstehenden Herrn, Edward Rochester, der von ihr zunächst kaum Notiz nimmt. Sie aber verliebt sich in ihn. Merkwürdige Zwischenfälle, ein Brand im Haus, Unfälle, die sie aber beherrscht, öffnen ihm die Augen, er bittet um ihre Hand. Es kommt nicht dazu. Über Jahre hatte er in der Dachkammer seine schizophrene Frau versteckt.

Jane flüchtet. Schließlich siegt ihre Zuneigung zu Edward und sie kehrt nach weiteren irrwitzigen Begebenheiten in das alte, aber abgebrannte Heim zurück. Edward ist zwischenzeitlich erblindert, aber ihre feste Entschlossenheit und ihre große Liebe lassen beide ein Paar werden.

Bertha und Carl Benz

2011 wurde die Biografie beider in einem Fernsehfilm gezeigt.

1885 setzte Carl Benz das erste praxistaugliche Automobil, Benz Patent-Motorwagen Nr. 1 auf die Straße und es fuhr, ungläubig bewundert, eher skeptisch beäugt, von allen, die es als »Wagen ohne Pferde« bezeichneten. Nach einem Maschinenbaustudium am Polytechnikum Karlsruhe gründete er 1871 seine erste mechanische Werkstatt in Mannheim. Möglich wurde es durch die Liebe und finanziellen Beigaben seiner Freundin Bertha Ringer, die er natürlich bald darauf heiratete. Bertha hatte sich ihre Mitgift vorzeitig auszahlen lassen und verhalf Carl zu diesem Start. Die Kosten für sein Ziel, einen Zweitaktmotor zu entwickeln, waren hoch. Die Firma musste in eine Aktiengesellschaft verwandelt werden, um Kapital zu gewinnen. Der Weg blieb steinig, zumal alle an der Firma Beteiligten skeptisch blieben.

»Nur ein Mensch harrte in diesen Tagen, wo es dem Untergang entgegen ging, neben mir im Lebensschifflein aus. Das war meine Frau. Tapfer und mutig hisste sie neue Segler der Hoffnung auf.« (1)

In echter Marketingmanier war sie es auch, die durch eine über 100km lange Fahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Nr. 3 von Mannheim nach Pforzheim und zurück auf diese technische Neuerung aufmerksam machte und dem Automobil seinen weiteren Weg bahnte. Carl und Bertha Benz hatten 5 Kinder, sie lebten in Ladenburg am Neckar.

Liebe – als vielleicht die schönste Beziehung zweier Menschen, kann Berge versetzen, kann Gewalt und Streit besiegen. Liebe hat aber auch die Kraft, Kollisionen, Dissonanzen und Feindseligkeiten zu fördern. Auch dafür liefert die Antike Beispiele: Kleopatra und Cäsar und später Kleopatra mit Marc Antonius. Wählen wir das Richtige!

Literatur:

1.) Benz, Carl Friedrich: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders 45
2.) Burg, Manuel, „Die Welt“ vom 30.05.2014
3.) Gerten, Hannah „Botticellis Gemälde „Venus und Mars“, Copyright 2013 GRIN-Verlag
4.) Lecker, Tobias: Bausteine eines Mythos. Die Medici in Dichtung und Kunst des 15. Köln 2007.
5.) pragerzeitung.cz/goethes-letzte-liebe/