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5 Phasen der Liebe – So viel Mathematik steckt in der Liebe

Die rosarote Brille und Schmetterling im Bauch: Wer sie durchschaut oder mit sich herumträgt, befindet sich mittendrin in einer von 5 Phasen der Liebe und ist offenbar schwer verliebt. Paartherapeut Roland Weber hat das Phänomen untersucht und ebenso Spannendes festgestellt wie John Gottman, der die Liebe in Formeln übersetzte. Lest hier im sisterMAG den ganzen Artikel von Autorin Marlen Gruner.

5 Phasen der Liebe

So viel Mathematik steckt in der Liebe

Die rosarote Brille und Schmetterling im Bauch: Wer sie durchschaut oder mit sich herumträgt, befindet sich mittendrin in einer von fünf Amor-Phasen und ist offenbar schwer verliebt. Paartherapeut Roland Weber hat das Phänomen untersucht und ebenso Spannendes festgestellt wie John Gottman, der die Liebe in Formeln übersetzte.

Doch schauen wir zunächst auf die Abschnitte: Weber sagt, dass Paare die von ihm definierten Phasen in genau dieser Reihenfolge durchlaufen, wenn auch nicht immer gleichzeitig. Eine davon überspringen? Geht nicht. Das wäre auch zu schade, immerhin soll eine Liebesbeziehung mit jeder Phase inniger werden und in eine neue, vertrautere Ebene übergehen. Was nicht heißt, dass man mit dem oder der Liebsten mit jedem neuen Abschnitt automatisch enger zusammenrückt. Denn dem Experten zufolge muss ein Paar erst alle fünf Phasen durchlaufen, um zu wissen, ob es wirklich zusammenbleiben möchte. Damit wird deutlich: Eine lange Beziehung ist kein Garant für ewiges Liebesglück. Doch welche Phasen gibt es, nach welcher ist häufig Schluss, und wie lautet die Formel für die Liebe?

5 Phasen der Liebe: 1. Verliebtheitsphase

In dieser Kennenlernphase tragen beide Partner die berühmte rosa Brille auf der Nase, Schmetterlinge im Bauch und Wolke sieben an den Füßen. All die Emotionen machen nun sprichwörtlich blind vor Liebe. Man nimmt nur Positives des oder der Liebsten wahr. Schattenseiten? Kommen hier noch nicht zum Tragen. Doch die Phase hat ein Ende: nach drei bis 18 Monaten, fand Paartherapeut Roland Weber heraus. Die Spanne ist so groß wie Menschen und Beziehungen eben verschieden sind. Mit diesem Abschnitt enden Beziehungen übrigens häufig, weil das Ausbleiben der Schmetterlinge viele irritiert und sie Verliebtheit mit Liebe gleichsetzen.

5 Phasen der Liebe: 2. Kritikphase

In diesem Stadium lernt man den Partner näher kennen. Die Emotionen, die zuvor die Verliebtheit ausgemacht hatten, sind nun nicht mehr in dem Maße da und – da ist auch etwas Positives dran – behindern auch nicht. Sie machen nicht länger blind vor Liebe. Jetzt nehmen die Partner Charakterzüge und Verhaltensweisen am jeweils anderen wahr, die vorher nicht aufgefallen waren. Und die vielleicht auch nicht gefallen. Es gibt vermehrt kritische Worte statt verliebter Säuseleien. Das ist auch der Grund, warum sich laut Weber in dieser Phase die meisten Paare trennen. Dabei fangen die Partner jetzt erst richtig an, sich jenseits der Schmetterlinge kennenzulernen. Nun gilt es, nicht nur die vermeintlichen Makel des anderen, sondern auch die eigenen zu sehen und sich gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren.

5 Phasen der Liebe: 3. Machtkampfphase

Mit der dritten Phase wird die Beziehung haariger: Gegensätze werden nun ganz genau unter die Lupe genommen. Die Partner prüfen, ob der oder die Liebste wirklich die richtige Wahl oder doch der oder die Falsche ist. Nicht selten werden jetzt Machtkämpfe ausgefochten und Grenzen ausgelotet. Doch wer dieses Stadium übersteht, der liebt seinen Partner am Ende nicht nur wegen seiner Stärken, sondern akzeptiert ihn auch mitsamt seiner Schwächen. Der Grund für eine Trennung in diesem Abschnitt ist häufig der Mangel an Verständnis und Akzeptanz.

5 Phasen der Liebe: 4. Optimierungsphase

In diesem Abschnitt stehen die Persönlichkeiten im Fokus. Die rosarote Brille ist längst abgelegt, Machtkämpfe sind ausgefochten, das Paar kennt sich gut genug, um zu wissen, wie der jeweils andere tickt. Genau das ist der ideale Zeitpunkt für die individuelle Entwicklung: die Optimierung der eigenen Persönlichkeit, aber auch der des Partners! Dabei gilt es, eine Balance zwischen dem Ich, Du und Wir zu finden, um die Beziehung bei aller Selbstoptimierung nicht außer Acht zu lassen. Das ist auch der Grund – Stichwort: verflixtes siebtes Jahr –, warum sich viele Paare hier trennen. Einige lernen dabei aber sogar bisher unentdeckte Eigenschaften an ihrem Partner kennen und ihn gewissermaßen neu lieben.

5 Phasen der Liebe: 5. Vertrauensphase

Mit der fünften Phase beginnt der wohl vertrauteste Abschnitt einer Beziehung. Eine Maske tragen und sich zum Wohlwollen des anderen verstellen, muss man nicht mehr – er bzw. sie würde denjenigen ohnehin durchschauen. Auch wissen die Partner nun ziemlich genau, wen sie an ihrer Seite haben – was er bzw. sie kann und was nicht. An diesem Punkt der Liebe haben Paare nicht nur Höhen und Tiefen der Beziehung, sondern auch des Lebens und Alltags gemeinsam durchlebt. Das schweißt zusammen, man steckt sich nach aller Selbstoptimierung nun vermehrt gemeinsame Ziele, schenkt sich aber auch gegenseitig Vertrauen und Freiheiten und fühlt sich beim Partner schlichtweg angekommen.

Eine Formel für die Liebe

Doch wie gelangt man zu diesem Stadium des Sich-Zuhause-Fühlens beim Partner? Mathematiker und Psychologe John Gottman hat eine Formel für die Liebe – inklusive Vorhersagekraft für Affären – entwickelt. Der als »Einstein der Liebe« bekannte US-Amerikaner untersuchte in den Siebzigerjahren Paare: Im Abstand von drei Jahren ließ er sie 15-minütige Konfliktgespräche führen.

Die glücklichen unter ihnen führten ihn zur berühmten 5:1-Ratio: Laut der stehen bei Diskussionen in glücklichen Beziehungen fünf positive einem negativen Moment gegenüber. Andersherum wäre Negatives nicht nur objektiv schlecht, sondern würde auch noch machtvoller wirken und die Beziehung zerstören.

Die vier apokalyptischen Reiter

Hier bringt der Wissenschaftler vier apokalyptische Reiter ins Spiel. Treten sie auf, trennen sich Paare laut Gottman in mehr als 90 Prozent der Fälle, im Schnitt nach 5,6 Jahren. Dazu gehören die KRITIK, also das Beschuldigen des anderen. Außerdem die VERTEIDIGUNG, die Rechtfertigung des Attackierten, was der Diskussion nur noch mehr Zündstoff liefert. Dritter Reiter ist dem Forscher zufolge der RÜCKZUG, also das Mauern, Auf-Durchzug-Schalten und das Zeigen von Desinteresse, was ebenso Zündstoff bietet. Zu guter Letzt gibt es die VERACHTUNG, die ein ungleiches Machtverhältnis zwischen den Partnern schafft.

Affären vorhersagen und Humor nutzen

Bei manchen Paaren treten diese vier apokalyptischen Reiter übrigens nicht oder nur bedingt auf, allerdings gibt es auch nur wenige positive Momente. Gottman spricht hier von emotionaler Loslösung, also einer gewissen Gleichgültigkeit. Die Partner leben dann oft nebeneinander her, suchen sich neue Liebeleien – hier ist die Chance für Affären groß – und trennen sich schließlich. Das tritt im Schnitt nach 16,2 Jahren ein, etwa wenn die Kinder aus dem Haus sind. Doch es geht auch anders.

Wenn diese apokalyptischen Reiter nämlich im Laufe der fünf Phasen einer Beziehung nicht auftreten, die 5:1-Ratio überwiegt und – so Gottmans weitere Entdeckung – sich Eigenschaften wie Humor und Selbstberuhigung einstellen, ist Liebesglück vorprogrammiert. Das Miteinander-lachen-Können wie auch das Sich-selbst-runterfahren-Können nehmen den Fahrtwind aus einem turbulenten Streit und senken den Puls. Dadurch gerät eine Diskussion dem Wissenschaftler zufolge gar nicht erst in einen Strudel der Negativität, sondern lenkt beide Partner hin zu positiver Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie gegenseitiger Wertschätzung – also das, worauf es in der Liebe am Ende ankommt.