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SHISEIDO Looking at Japan: J-Beauty

Von Architektur bis zu Schönheitsidealen – inspiriert von der Geschichte unseres Partners Shiseido nehmen wir euch in der neuen sisterMAG Ausgabe mit nach Japan und entdecken Kultur, Rituale und vor allem die ganz besonderen Schönheitsroutinen des Landes. Und was bedeutet in diesem Zusammenhang »der Reiz des Unvollkommenen«?

J – Beauty – Ein Blick auf Japan

Ein paar Gedanken zu und den Wurzeln japanischer Vorstellungen von Schönheit

Das eigene Erscheinungsbild mit Sorgfalt zu pflegen, hat in Japan eine besondere Bedeutung. Es geht dabei nicht nur um Kleidung und persönlichen Stil, obwohl es sicherlich kein Zufall ist, dass viele Menschen auffallend gut gekleidet sind. Im Mittelpunkt steht die Hautpflege und das ist nachvollziehbar, denn es gibt wenig, das persönlicher ist was wir auf unserem Gesicht verwenden.

Die klassische japanische Beauty- Routine, mittlerweile oft »J – Beauty«, besteht wie das ähnlich gehypte Phänomen der südkoreanischen »K – Beauty« auszahlreichen Schritten:

Reinigung, Peeling, Toner, Serum, Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz sind nur die wichtigsten. Das Verständnis für die Bedeutung insbesondere des letzteren ist schrittweise auch in Europa angekommen. Endlich, könnte man sagen. Japan und andere ostasiatische Länder waren hier Vorreiter. In einem Akt von Selbstschutz, und anders als in Europa, ist Sonnenbräune dort eben kein Schönheitsideal. Die ganz andere Einstellung zum Sonnenlicht hat eine lange kulturelle Tradition in Japan und wurzelt in der Überzeugung, dass die Abwesenheit von Licht nicht per se negativ ist. Der Schriftsteller Tanizaki Jun’ichiro (1886-1965) hat dieses Merkmal japanischer Ästhetik in seinem viel beachteten und bis heute populären Essay »LOB DES SCHATTENS« (1933 erstmals veröffentlicht) brillant zusammengefasst. Er spricht darin über den Bau und die Einrichtung seines Wohnhauses und stellt fest:

»Tatsächlich gründet die Schönheit eines japanischen Raumes rein in der Abstufung der Schatten. Sonst ist überhaupt nichts vorhanden.« – Tanizaki Jun’ichiro

WAS IST ZWECK VON ARCHITEKTUR?

Jun’ichiro erkennt bereitwillig an, dass sich die japanische Vorliebe für Licht und Schatten aus den Gegebenheiten entwickelt hat und mehr Licht im Haus selbstverständlich auch aus japanischer Sicht komfortabler ist. Doch er weist zugleich darauf hin, dass alle Aspekte des täglichen Lebens bis hin zur Gestaltung von Gebrauchsobjekten auf die einzigartige Lichtsituation, auf gedämpftes Licht, abgestimmt sind: Die Einrichtung ist traditionell geprägt von Simplizität und neutralen Tönen, wobei gedeckte, subtile Farben bevorzugt werden. Für Jun’ichiro besitzt zu viel Licht eine beinahe aggressive Qualität, weshalb glänzende Oberflächen den Nutzräumen vorbehalten sein sollten. Die Wände der Wohnräume hingegen sind fast durchweg Sandwände und werden höchst selten zum Glänzen gebracht:

»Denn wenn man ihnen Glanz verleiht, löst sich die weichem zarte Stimmung des spärlichen Lichtscheins in nichts auf. Wir erfreuen uns an jener zarten Helligkeit, die entsteht, wenn ein bereits diffuses Außenlicht allenthalben die dämmerfarbigen Wandflächen überzieht und nur mit Mühe einen Rest von Leben bewahrt.« – Tanizaki Jun’ichiro

Klar ist: All dies bezieht sich auf Wohnhäuser, und die Beobachtungen können nicht ohne Weiteres auf heute übertragen werden, denn sie entstammen einer anderen, vergangenen Ära. Dennoch ist vieles daran noch wahr. Das belegen nicht zuletzt die Arbeiten zeitgenössischer japanischer Architekten wie TADAO ANDŌ, einer der Stars der Szene. Andō betont besonders die Nachhaltigkeit von Architektur und hat sein architektonisches Leitbild in einem mittlerweile sprichwörtlichen Statement zusammengefasst: »wir borgen von der Natur den Raum, auf dem wir bauen.« Wie Architektur, wenn sie denn einmal steht, mit der Umgebung interagiert, ist mindestens genauso bedeutsam. Prominente traditionelle wie auch zeitgenössische japanische Architektur verkörpert in vollkommener Weise das Ideal der Bescheidenheit, ein Beispiel: Das von Tadao Andō entworfene Chichu Art Museum auf der Insel Naoshima. Anstatt seine Umgebung zu dominieren, versinkt das Gebäude buchstäblich im Berg und stiehlt der atemberaubenden Szenerie nicht die Show. Das Material, samtweicher Sichtbeton, ist ebenso bescheiden wie die Raumanforderungen, zumindest oberirdisch. Die Architektur, die aus diesen Elementen resultiert, soll eine Bühne für das bieten, was bereits da ist.

»Wir borgen von der Natur den Raum, auf dem wir bauen.«

EINE FRAGE DER PERFEKTION?

Zieht man all dies in Betracht, erscheint es schlüssig, dass Perfektion in Japan traditionell als etwas Exklusives betrachtet wurde: exklusiv im Sinne von potenziell ausschließend.

Es gibt die wunderbare Tradition, gesprungene Teeschalen mit Goldfarbe zu kitten, sodass die Bruchstellen sichtbar bleiben und die Schale damit zu einer einzigartigen machen. Soweit man hier generalisieren kann, unterscheidet sich dieser Ansatz erheblich von unserem »westlichen« Verständnis, nach dem ein Sprung oder Riss prinzipiell einen Mangel darstellt, der nach Möglichkeit unsichtbar gemacht werden sollte, andernfalls verlöre das Objekt unmittelbar an Wert. In der japanischen Tradition werden Sprünge aber hervorgehoben, denn sie symbolisieren etwas Entscheidendes: Die Individualität und einzigartige Geschichte eines Objekts, die wiederum seine Perfektion ausmachen. Die Suche nach der »Schönheit im Unperfekten« gilt in Japan als ein Akt der Großzügigkeit, und der europäische Betrachter ist vielleicht überrascht zu hören, dass Perfektion in einigen Kontexten eine klar negative Bedeutung erhält.

Nur, für welche Kontexte gilt dies und für welche nicht? Es ergeben sich zahlreiche Fragen: Denkt man an »perfekt«, ist es stets synonym mit »schön«? Ist makellos dasselbe wie perfekt? Man fragt sich auch: Kann das Perfekte überhaupt existieren?

Der Lebensbereich, der die Verwendung des Wortes am großzügigsten gestattet, ist wohl der kulinarisch, denn der Konsum und insbesondere der Genuss sind so eng an den persönlichen Geschmack geknüpft, dass ein Urteil über die Perfektion einer Speise (nicht deren Qualität) gänzlich subjektiv sein muss. Nur: Kann etwas als »perfekt« gelten, wenn es dies in den Augen einer einzigen Person ist? Oder müssen sich, angesichts der absoluten Natur des Wortes, mehrere Menschen darüber einig sein? Alle? Gibt es je nach Anwendung und Hintergrund Unterschiede im Verständnis von Perfektion? Nicht nur in Europa ist es populär, sich gegenseitig zu versichern: »Niemand ist perfekt«. Das kann wiederum in diversen Kontexten gelten und wenigstens teilweise den enormen Anspruch aufheben, den die Verheißung des Perfekten stellt und der oft aus perfektionistischen Verhalten und dem Vergleichen mit anderen resultiert. In eine ähnliche Richtung geht, was Nietzsche mit dem »REIZ DER UNVOLLKOMMENHEIT« meinte. Offensichtlich kann es hier keine generelle Antwort geben. Dies gilt umso mehr da alles, was den menschlichen Körper selbst betrifft, auf einer völlig anderen Skala bewertet wird. Hier scheint die Perfektion nicht nur höchst lebendig zu sein, auch die Anwendung unterscheidet sich von dem großzügigen Umgang mit Gegenständen: Geht es um sie selbst, und das in allen Aspekten von Make-up über allgemeines Äußeres bis hin zu persönlicher Weiterentwicklung und Work Performance, scheinen die meisten Menschen ungleich strenger zu sein als mit den Dingen, die sie umgeben. Es gilt: Perfekt ist makellos, fehlerfrei, maximiert. (Eine Problematisierung dieses Zustands wäre hier selbstverständlich angebracht und wichtig.) Und während die Vorstellungen von Schönheitsidealen variieren mögen, ist der Wunsch nach Perfektion im Rahmen dieser Ideale wohl universell. Er hat sich auch als zeitlos erwiesen. Natürlich: Schönheitsvorstellungen haben sich mit der Zeit verändert und werden dies weiterhin tun. Es erscheint aber unwahrscheinlich, dass das globale Streben nach äußerlicher Perfektion demnächst tatsächlich wesentlich an Schwung verlieren wird. Wenn wir uns aber daran erinnern, dass perfekte Haut weder eine Frage der Hautfarbe noch eine Frage des Alters ist, und dass Schönheitsideale genau das sind: Ideale, nicht Vorgaben, die bestimmen ob wir würdig sind oder nicht – können sie dennoch eine großartige Inspiration und Motivation sein. Wenn es um unsere Haut geht, tun wir gut daran, die Regeln zu befolgen, die schon unsere Großmütter mantraartig wiederholten:

PRÄVENTION IST BESSER ALS SCHADENSBEGRENZUNG. DIE HAUT ZU PFLEGEN BEDEUTET SICH SELBST ZU PFLEGEN. DER SCHLÜSSEL IST BALANCE. VERTRAUE DEINER HAUT. UND VOR ALLEM: WAS SPRICHT DAGEGEN, WIRKLICH ÖFTER ZU LÄ- CHELN?

Interview mit Jasmin

Mein Name ist Jasmin, ich bin Reise- und Lifestyle Bloggerin und schreibe auf meinem Blog my-berlin-fashion.com , den es bereits seit 2010 gibt. Durch meine Weltreise habe ich meine Liebe zu Japan entdeckt und thematisiere die Destination bereits in all meinen Themenbereichen.

»Skincare ist das Stichwort.«

Wie hast du die Landschaft und die Leute empfunden?

Japan ist unglaublich vielfältig. Einerseits erlebt man in Städten wie Tokio oder Osaka die absolute Moderne, vielleicht sogar Zukunft, andererseits kann man in den Tempeln, die meist nur ein paar Schritte entfernt sind, die Kultur und Tradition erleben, die es bereits seit tausenden von Jahren in der japanischen Geschichte gibt und die noch immer großen Bestand haben und Wertschätzung erhalten. Japaner sind unglaublich freundlich und hilfsbereit und einer der Gründe, warum es für mich das schönste Land der Welt ist.

Was fandest bzw. findest du besonders spannend an der japanischen Kultur?

Die Tiefgründigkeit. Da ich mir selbst japanisch beibringe und bereits auch schon sprechen, schreiben und lesen kann, ist mir einiges viel bewusster geworden. Bereits in der japanischen Sprache steckt schon so viel Schönheit. Nimmt man zum Beispiel das Wort „HANABI» (花火) was Feuerwerk bedeutet. Das Wort setzt sich aus den Schriftzeichen Blume und Feuer zusammen und bedeutet grob übersetzt Feuerblume. Es ist nur eines der vielen Beispiele aber neben der Sprache ist es auch das Lebensgefühl und Verständnis von Dankbarkeit in der japanischen Kultur, die mir so unglaublich gut gefallen.

Wie hast du japanische Beautyrituale und J-Beauty wahrgenommen?

Japaner legen im Gesamten viel Wert auf Reinheit und Sauberkeit. Das Wort für schön »KIREI«, bedeutet übersetzt eigentlich so viel wie sauber. Auch in der Beauty Routine achtet man auf viel Reinheit und Pflege. Anders als zum Beispiel im amerikanischen Raum ist es in Japan ein sehr cleaner Look. Skincare ist hier das Stichwort.