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Autobahn, Bermuda, Geo – Wie das Dreieck unseren Alltag beherrscht

Nicht alles im Leben läuft rund. Manchmal gibt es auch Situationen, in denen man sich herausgefordert fühlt, einfach mal im Dreieck zu springen. Doch woher stammt das Sprichwort eigentlich? Und wie kam es zu all den Dreiecken, die heute unser alltägliches Leben beherrschen?

Drei Seiten, drei Winkel und vor allem drei Ecken – das ist es, was ein simples Dreieck ausmacht. Und doch steckt so viel Bedeutung hinter dieser geometrischen Form, die vor allem vom Menschen gemacht ist. Denn in der Natur trifft man sie nur selten an, bei der Bildung von Kristallen etwa. Sonst aber unterliegt sie der Schaffung und Symbolgebung durch Menschenhand – und zwar in ganz verschiedenen Bereichen des Lebens.

 

Dreiecke in der Mathematik

Etwa in der Mathematik. Hier liegt ein Ursprung des Dreiecks. Bereits die Ägypter und Babylonier hatten sich schon Jahrtausende vor Christus mit dieser geometrischen Form beschäftigt und sogar ein dem heutigen Geodreieck ähnliches Instrument genutzt, um das Land infolge regelmäßiger Nilüberschwemmungen vermessen zu können.

Ein griechischer Gelehrter namens Pythagoras war es dann um etwa 500 vor Christus, der sich mit rechtwinkligen Dreiecken befasste. Er fand heraus, dass die Summe der Quadrate der beiden kürzeren Seiten das Quadrat der längeren Seite ergab. Die Gleichung a² + b² = c² entstand, sie gilt bis heute und ist unter dem Namen „Satz des Pythagoras” bekannt.

 

Dreiecke in der Religion

Während die mathematischen Dreiecke in verschiedenen Formen – gleichseitig, gleichschenklig, stumpf etc. – auftreten können, geht es in der Religion vor allem um eine bestimmte Form und ihre Symbolik. Im Fokus christlicher Gläubiger steht das gleichseitige Dreieck, dessen Seiten alle gleich lang sind. Sie bzw. ihre Spitzen stehen für die Dreifaltigkeit, also die Einheit Gottes in drei Wesen: dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Zusätzlich wird diese Art des Dreiecks seit dem 17. Jahrhundert mit dem Symbol des alles sehenden Auge Gottes verknüpft. Das findet sich inmitten der geometrischen Form. Einige Theologen sehen in dem Dreieck sogar ein Symbol für Unendlichkeit.

Der Davidstern als Symbolik des Judentums vereint außerdem zwei einander verschränkte Dreiecke, sie sollen die untrennbare Einigkeit von Gott und Menschen darstellen: Dabei symbolisiert Gott das Dreieck, dessen Spitze nach unten zeigt und Leben schenkt, während die Menschen für sein Gegenüber stehen, dessen Spitze nach oben in Richtung des Schöpfers zeigt.

 

Dreiecke im Verkehr

Dreiecke haben aber längst nicht nur eine symbolische Bedeutung in der Religion. Sie finden auch in ganz profanen Dingen des Alltags Verwendung und haben natürlich auch hier eine Bewandtnis. Wenn man genau hinschaut, sind sie überall. Etwa auf der Straße als Verkehrszeichen. Hier lässt sich erkennen, welche Symbolkraft Dreiecke eigentlich haben.

Ihre breite Basis erzeugt Stabilität, ihre Spitze steht für Energie. Und die fließt in die Richtung, in die die Spitze zeigt. Im Falle der Verkehrszeichen zeigt die Spitze meist nach oben, sie entwickeln so eine gewisse Aussage- und Wirkkraft. Die wird durch einen weißen Grund mit signalrotem Rahmen und mittig angeordneten Symbolen verstärkt. Auf diese Weise warnen uns Verkehrsschilder vor potenziellen Gefahrensituationen oder deuten auf geltende Vorschriften wie etwa Vorfahrt hin. Als rot-weiße Kegel weisen sie uns zudem am Straßenrand den Weg.

 

Dreiecke in der Kunst

Ob Malerei, Installationen oder Körperkunst: Auch hier sind Dreiecke zu finden. So zum Beispiel in Tattoos oder auch im Werk unseres Künstlers des Monats. Regelmäßig angeordnete, dreieckige Formen dominieren »Sans titre« von Abel Martin. Ihre Spitzen und damit ihr Energiefluss sind eindeutig erkennbar, jedoch sind die Dreiecke hier wie ein Reißverschluss ineinander verwoben und geben sich dadurch wiederum Halt. Das ist zugleich eine wesentliche Eigenschaft von Dreiecken, sie lassen sich nämlich beliebig oft aneinanderreihen, vertikal wie horizontal. Somit sind sie gewissermaßen anpass- und damit auch austauschbar. Manch einer mag jetzt an das sogenannte Hipster-Dreieck denken, das als gleichseitiges Exemplar auf bedruckten Jutebeuteln, tätowierten Oberarmen, CD-Covern und an Schmuckstücken prangt. Da könnte auch etwas dran eine, ist eine gewisse Ironie doch gleichsam Philosophie dieser Bewegung. Aber damit der Dreiecksfunde im Alltag nicht genug.

Schließlich kann man auch die Architektur zur Kunst zählen, immerhin fallen viele eindrucksvolle Bauwerke darunter. So zeigt sich, dass es auch hier von Menschenhand erbaute Dreiecksformen gibt. Sie bewegen sich jenseits der gängigen rechtwinkligen Form und zeugen von Kraft, wie etwa Dachgiebel und vor allem Pyramiden. Sie recken ihre Spitze geradewegs in Richtung Gottheit, um damit vermutlich eine Verbindung zwischen irdischem Leben und göttlichem Wirken zu schaffen.

Zur Kunst gehört auch die Musik. Hier sind es Instrumente wie etwa die Triangel, der durch ihre besondere Form eine ebensolche Bedeutung zukommt. Zur Erinnerung: Die Triangel ist ein runder Stahlstab, der zu einem gleichseitigen Dreieck geformt und an einer Seite offen ist. Schlägt man mit einem Stahlstab die Basis an, erklingt ein lauter Forte-Ton. Leisere Piano-Töne erzeugt man im oberen Drittel des offenen Schenkels und Wirbel durch flinkes wechselseitiges Anschlagen der Schenkel innerhalb der oberen Drittel. Voilà, damit ist die Triangel ein Element innerhalb von Musikstücken, das zwar einfach aussieht, dabei aber raffiniert und multifunktional ist.

 

Andere Dreiecke

Warum aber redet man von Dreiecken, wenn diese als solche geometrische Form gar nicht exakt erkennbar sind, etwa im Falle von Autobahndreiecken oder dem Bermudadreieck? Ganz einfach: In solch meist unüberschaubaren größeren landschaftlichen Gebieten bedient man sich vereinfachenden Benennungen, um das Komplizierte herunterzubrechen. So gehen bei einem Autobahndreieck, wenn man es aus der Luft betrachtet, verschiedene Schnellstraßen dreiecksförmig und nahtlos ineinander über. Das Bermudadreieck erhielt seine geometrische Bezeichnung durch die Lage zwischen den Bermuda-Inseln, dem Süden Floridas und Puerto Rico.

Und wie kam es nun zur eingangs erwähnten Redewendung? Durch das Zellengefängnis in Berlin-Moabit. Das ließ der damalige König Friedrich Wilhelm IV. Mitte des 19. Jahrhunderts nach einem bestimmten Prinzip bauen: Die Gefangenen sollten nicht in Gemeinschaftsunterkünften inhaftiert sein, sondern einzeln, um einen Austausch zu verhindern. Das Isolationsprinzip sollte sich beim Freigang fortsetzen. So wurde ein kreisrundes Areal in 20 dreieckige Spazierhöfe unterteilt – mit hohen Mauern dazwischen, die die Insassen voneinander fernhielten. Diese Monotonie und Tristesse soll so mancher Häftling nicht ertragen haben und wie wild in seinem Freigangsdreieck herumgesprungen sein.