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Filmgeschichte – Neue Technologien im Film

Monster, die über die Leinwand toben, Häuser, die spektakulär in sich zusammenstürzen, Menschen, denen Arme und Beine abgeschlagen werden – es gibt kaum etwas, das Hollywood nicht äußerst realistisch mit innovativen Technologien und Computertechnik darstellen kann. Wir vollziehen die Entwicklungen im modernen Kino nach und schauen uns auch seinen größten Konkurrenten an: das Online-Streaming.

In den Anfängen von Hollywood war an aufwendige Trickserei selbstverständlich noch nicht zu denken. Wenn irgendwo ein einstürzendes Haus zu sehen war, dann muss es tatsächlich vor der Kamera in sich zusammengefallen sein. Nur einen Effekt benutzten die Filmemacher bereits vor der Jahrhundertwende: den Stopptrick. Das erste Mal, dass er zum Einsatz kam, war 1895 im gerade einmal 18 Sekunden langen Film »The Execution of Mary Stuart«. Für diesen stellte der Regisseur Alfred Clark die Hinrichtung der namensgebenden Königin von Schottland nach – allerdings ohne dass deren Darstellerin den Kopf hinhalten musste. Nachdem sich die Schauspielerin vor den Richtblock gekniet und der Henker seine Axt gehoben hatte, stoppte Clark die Kamera und wies ihn und die Komparsen an, in ihrer Position zu verharren. Lediglich die Mary-Darstellerin durfte das Set verlassen und wurde durch eine lebensgroße Puppe ersetzt. Auf deren Hals sauste dann die Axt nieder. Der Stopptrick war über viele Jahrzehnte der eindrucksvollste Spezialeffekt der Filmindustrie.

90 Jahre Stop-Motion

Manchmal wurden ganze Sequenzen oder gar Filme mit dem Stopp-Trick realisiert, was dann als Stop-Motion bezeichnet wurde. Dafür wird eine Szenerie immer wieder fotografiert, wobei sie für jede Aufnahme geringfügig verändert wird. Das erweckt den Eindruck einer Bewegung. Der erste Film mit dieser Technik war »The Humpty Dumpty Circus« von 1898, für den der Regisseur J. Stuart Blackton die Spielzeuge der Tochter vom Produzenten Albert E. Smith »zum Leben erweckte«. Die Stop-Motion-Technologie sorgte um 1910 sogar für die Entstehung zweier Filmgenres, nämlich des Trickfilms und des Puppentrickfilms. Aber auch in Realfilmen kam sie weiterhin zum Einsatz – man denke nur an die denkwürdige Szene am Ende von »King Kong und die weiße Frau« von 1933, in der der Riesenaffe auf dem Empire State Building steht und sich gegen Kampfflugzeuge wehrt. Selbst in den 1980er-Jahren setzten Filmemacher noch immer Stop-Motion ein, etwa in der Original-Trilogie von »Star Wars« (1977 bis 1983) oder in »Terminator« (1984).

Verpixelter Blick

Zur gleichen Zeit machten die Spezialeffekte in Filmen gerade einen Quantensprung, den sie einer entscheidenden Entwicklung zu verdanken hatten: der Computer Generated Imagery, kurz CGI. Die nahm ihren Anfang in den 1970er-Jahren, als Computer immer leistungsfähiger wurden. Der erste digitale Effekt in einem Film war 1973 in »Westworld« zu bewundern. Darin blicken wir für etwa zweieinhalb Minuten aus den Augen eines Androiden – und sehen die Welt komplett verpixelt. Regisseur Michael Crichton, der auch das Drehbuch für den Film geschrieben hatte, wollte den Effekt eigentlich vom Jet Propulsion Laboratory anfertigen lassen. Allerdings brauchte das von der NASA geführte Institut rund 200.000 US-Dollar und neun Monate Zeit dafür, weshalb Crichton letztlich das Unternehmen Information International beauftragte. Das arbeitete Tag und Nacht und war so imstande, die Sequenzen in vier Monaten für lediglich 20.000 Dollar zu erstellen. Die gleiche Technik wie damals kommt übrigens bis heute zum Einsatz, wenn zum Beispiel in den Nachrichten ein Gesicht verpixelt wird – nur mit dem Unterschied, dass es mittlerweile kein Vierteljahr mehr dauert, bis der Effekt fertig ist.

Ein digitalisierter Peter Fonda

Auch nach »Westworld« war Information International erheblich an der Weiterentwicklung von CGI-Effekten im Filmbereich beteiligt. So steuerte das Unternehmen für »Futureworld«, die Fortsetzung aus dem Jahr 1976, eine Sequenz bei, in der eine digitalisierte Version von Peter Fonda zu sehen war. Das war dann das erste Mal, dass eine dreidimensionale Computergrafik in einem Film zum Einsatz kam. Für den bis heute legendäre Science-Fiction-Film »Tron«, der 1982 in die Kinos kam, holte das produzierende Studio Disney ebenfalls Information International mit an Bord, außerdem noch die anderen drei führenden Unternehmen in Sachen Computergrafiken zu dieser Zeit. Allerdings arbeiteten die separat voneinander, was zu völlig unterschiedlichen Stilrichtungen im fertigen Film führte.

Eine Erfolgsgeschichte

Als »Tron« in die Kinos kam, gab es übrigens das Studio Pixar bereits, das bald mit spektakulären Animationsfilmen für Aufsehen sorgen sollte – nur hieß es damals noch nicht so. Bis 1986 trug es den Namen Graphics Group und war Teil der Computer-Sparte von Lucasfilm, dem Studio von George Lucas. Als 1986 ein gewisser Steve Jobs das Unternehmen kaufte, benannte er es in Pixar um. Der erste Langfilm des Studios und zugleich der erste komplett am Computer animierte Film der Kinogeschichte war »Toy Story« von 1995. In den nachfolgenden Jahren erschienen weitere Pixar-Meilensteine wie »Die Monster AG« (2001) und »Findet Nemo« (2003). Das Studio brachte das Publikum zunehmend zum Staunen, weil die Technik mit jedem Film ausgereifter und die Animationen realistischer aussahen. Bald entwickelte sich Konkurrenz – in Form von DreamWorks Animation (»Shrek«, »Madagascar«) und der Blue Sky Studios (»Ice Age«, »Rio«). Den erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten haben allerdings die Walt Disney Animation Studios gemacht: »Die Eiskönigin« von 2013, der fast 1,3 Milliarden Dollar eingespielt hat. Sehr knapp dahinter (und möglicherweise schon vorbei, wenn diese Zeilen ein paar Wochen alt sind) liegt »Die Unglaublichen 2«, der erst im Juni 2018 gestartet ist und Pixar schon mehr als 1,2 Milliarden Dollar eingebracht hat.

Grüne Leinwände und markierte Schauspieler

Auch viele Realfilme entstehen heutzutage zu einem großen Teil am Computer. Wer dank YouTube-Videos hinter die Kulissen einer Hollywood-Produktion schaut, der bekommt zum Beispiel eine Menge Greenscreens zu Gesicht. Die ermöglichen es den Filmemachern später, beliebige Hintergründe in die Szene zu kopieren. Auch auf das Motion Capturing wird recht häufig zurückgegriffen. Dafür wird der Körper eines Schauspielers mit zahlreichen Markern versehen. Spielt er nun vor der Kamera, dann können seine Bewegungen in ein Computermodell übertragen werden. Als einer der aktuell besten Motion-Capture-Schauspieler gilt der Brite Andy Serkis, der unter anderem Gollum in der »Herr der Ringe«-Trilogie (2001 bis 2003), King Kong im gleichnamigen Film von 2005 und den Affen Caesar in den »Planet der Affen«-Filmen (seit 2011) in Bewegung versetzt hat.

Heimkino dank Netflix

Doch nicht nur auf der Leinwand hat sich in den letzten Jahren technisch einiges getan. Auch die Möglichkeiten des Konsumierens von Inhalten haben sich erweitert. Gab es früher nur das Kino, das Fernsehen und die Videothek, hat das Internet eine weitere Option hinzugefügt: das Streaming. Das eliminiert den Zwang vom linearen TV, immer zu einer bestimmten Zeit auf der Couch sitzen zu müssen, und gibt uns die Freiheit, unsere Filme und Serien zu schauen, wenn immer es uns passt. Interessanterweise wurde Netflix, der heute größte Streaming-Anbieter, im August 1997 als Videothek gegründet – allerdings als digitale. Das Geschäftsmodell war genial einfach: Aus einem Sortiment von knapp 1.000 Filmen konnten Nutzer DVDs aussuchen, die sie dann leihweise per Post zugeschickt bekamen. Mit dem Streaming, also der Übertragung von Filmen und Serien übers Internet, begann das Unternehmen 2007. Doch Netflix genügte es nicht, Fremdproduktionen zu zeigen. So ging im Februar 2012 die erste Staffel der Serie »Lillyhammer« online – eine Co-Produktion von Netflix und dem norwegischen TV-Sender NRK. Seitdem schickt der Streaming-Dienst jede Woche neue Serienstaffeln und Filmproduktionen an den Start.

Milliardenumsätze

Wie sehr sich der Konsum von Bewegtbildern in den vergangenen Jahren verändert hat, zeigt allein ein Blick auf die Statistiken von Netflix. Das Unternehmen hat im Jahr 2017 rund 11,7 Milliarden Dollar umgesetzt und ist mit einem Börsenwert von 152 Milliarden Dollar das wertvollste Medienunternehmen der Welt. Die über 130 Millionen Abonnenten in aller Welt sorgen dafür, dass Netflix potentiell mehr Menschen erreichen kann als die allermeisten Fernsehsender. Lediglich die Bewohner Chinas, Nordkoreas, Syriens und der Krim kommen nicht in den Genuss der Inhalte von Netflix. Auch wenn es manchmal den Anschein macht: Netflix ist längst nicht der einzige Streaming-Anbieter. Amazon hat mit Prime Instant Video 2014 einen Dienst gestartet, auch Facebook mischt seit August 2017 mit Watch im Streaming-Business mit. Dazu gibt es allein in Deutschland noch einige kleinere Anbieter wie maxdome und Videoload. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Online-Mediatheken der Fernsehsender, die ebenfalls Inhalte zu jeder Zeit verfügbar machen. Die Bequemlichkeit des Streamings ist dem klassischen Kino natürlich alles andere als zuträglich. Zwar eröffnen viele Kinoketten inzwischen Luxus-Säle, in denen die Besucher bei maximaler Beinfreiheit in gemütlichen Sesseln sitzen und Snacks und Getränke an den Platz gebracht bekommen. Doch auch wenn es in absehbarer Zeit sicherlich nicht aussterben wird, wird das Kino auf lange Sicht ganz sicher Probleme bekommen, sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet durchzusetzen.

Disney macht’s allein

Netflix und Co. könnten übrigens in den nächsten Jahren selbst unter massiven Druck geraten. Denn längst ist es dem großen Film- und Serienproduzenten ein Dorn im Auge, dass die Streaming-Dienste mit ihren Inhalten Kasse machen. Der erste hat auch schon seinen Absprung angekündigt: Nur noch bis Ende 2019 sind Disney-Produktionen auf Netflix zu finden, dann wandern sie zum hauseigenen Streaming-Sender Disney+, der dann an den Start geht. Das betrifft nicht nur die klassischen Trick- und neueren Animationsfilme, sondern auch die Superhelden-Blockbuster aus dem Marvel-Universum sowie sämtliche »Star Wars«-Streifen. Weitere große Studios werden ziemlich sicher nach- und ihre Inhalte von Netflix abziehen. So will Warner demnächst ebenfalls einen eigenen Streaming-Service starten. Und die Universal Studios gehören zu einem großen Teil dem Medienunternehmen Comcast, der erst kürzlich Sky übernommen hat. Das lässt den Schluss zu, dass wir Universal-Filme bald nur noch auf Sky streamen können – und dazu zählen immerhin so erfolgreiche Reihe wie »Jurassic Park« und »The Fast and the Furious«. Ob Netflix dem massiven Verlust von Bewegtbildern etwas entgegensetzen kann, wird sich zeigen. Eines scheint aber festzustehen: Wir User müssen noch mehr Abos abschließen als bisher schon, wenn wir alles sehen wollen – oder uns genau überlegen, für welche Inhalte wir unser Geld ausgeben wollen.

Wie die Geschichte des Kinos von hier an weitergeht, ließe sich nur anhand einer Kristallkugel vorhersagen. Da wir weder diese noch die Fähigkeiten des Wahrsagens besitzen, findet unsere kleine Geschichte zum Kino an diesem Punkt ihr Ende. Wir hoffen sie hat euch genauso gut unterhalten und informiert wie uns.