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6 der faszinierendsten Geisterstädte der Welt

Erst der totale Boom und dann die gespenstige Leere… Christian Näthler präsentiert im sisterMAG sechs der faszinierendsten Geisterstädte der Welt: Hashima, Kolmanskuppe, Kilamba, Prypjat, Craco, Kangbashi. Sechs Orte auf vier Kontinenten, die nur eines miteinander verbindet: die Leere. Findet heraus, wie sie an Bedeutung gewannen und was danach schief ging.

  • Text: Christian Näthler

Verlassene Straßen, düstere Gebäude, kein Geräusch ist zu hören – nein, das ist nicht eure Heimatstadt nach Sonnenuntergang an einem Schultag. Die Rede ist von Geisterstädten – einst florierenden Orten, die aufgegeben wurden, aber noch immer existieren. Ob ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, verantwortungslose Planungen, natürliche oder menschliche Katastrophen – es gibt verschiedene Gründe, die dafür sorgen, dass die Einwohner einer Stadt ihre Heimat aufgeben. Werfen wir einen Blick auf sechs der faszinierendsten Geisterstädte der Welt…

Hashima, Japan

Nur 0,063 Quadratkilometer groß ist die Insel Hashima, und dennoch zwängten sich 1959, auf dem Höhepunkt ihres Kohlebergbaus, mehr als 5.000 Menschen darauf. Als die Nachfrage nach Kohle in den späten 1960ern und frühen 1970ern rasant nach unten ging, tat dies auch die Bevölkerungszahl von Hashima. Als das Bergwerk auf der Insel schließlich 1974 schloss, verschwand jeglicher Anreiz, auf der mit einer Schutzmauer versehenen Kolonie vor der Küste von Nagasaki zu bleiben. Ihre Überreste könnt ihr im James-Bond-Film »Skyfall« aus dem Jahr 2012 sehen.

Kolmanskuppe, Namibia 

Kolmanskuppe ist eine von Sand durchwehte Geisterstadt nahe der namibischen Küste, in der sich früher einige der ergiebigsten Diamanten-Fundorte der Welt befanden. Zwischen 1928, als erstmals Diamanten in der Region gefunden wurden, die damals noch Deutsch-Südwestafrika hieß, und den frühen 1930ern wurden in nur sechs Jahren rund fünf Millionen Karat Diamanten gefördert. Die letzten drei Familien verließen die Stadt 1956, bis heute hat sie keine ständigen Bewohner.

Kilamba, Angola

So, als würde China im Nordwesten von Angola »SimCity« spielen, war Kilamba eine riesige Siedlung, die von einem staatlichen chinesischen Unternehmen aufgebaut wurde, um bis zu einer halben Million Menschen unterzubringen. Sie besteht aus 750 achtstöckigen Apartment-Häusern und so gut wie keinen ständigen Bewohnern. Schaut euch die Satellitenbilder auf Google Street View an, um einen Eindruck von diesem stillen Spektakel zu bekommen.

Prypjat, Ukraine

Als mit Abstand tragischste Geisterstadt auf dieser Liste hat Prypjat das unglückliche Schicksal, der Ausgangsort des weltweit verheerendsten Atomkraftwerk-Unfalls der Geschichte zu sein: Tschernobyl. Die Katastrophe ereignete sich, als ein Reaktor explodierte und radioaktive Isotope in die Atmosphäre entließ. Mehr als 50.000 Einwohner waren gezwungen, die Stadt zu räumen. Weil es bis heute Strahlung gibt, ist es kein Wunder, dass nur eine Handvoll überhaupt zurückgekehrt sind.

Craco, Italien

Kürzlich wurde Craco unter Millennials bekannt, als die Nachricht viral ging, dass das ganze Dorf zum Preis einer Wohnung in London zu kaufen sei. Der mittlerweile verlassene mittelalterliche Ort hatte 1561 eine Bevölkerungszahl von 2.600, bevor er jahrhundertelang mit zerstörerischen Ereignissen zu kämpfen hatte, die von Plagen über Erdrutsche bis hin zu Wellen von Dieben reichten. Die Erdrutsche in Verbindung mit Erdbeben waren so gravierend, dass 1963 alle 1.800 Einwohner den Ort zu ihrer eigenen Sicherheit verlassen mussten.

Dawson City, Yukon

Es gibt nicht viele Dinge, die rund 100.000 Amerikaner von der Küste dazu verleiten könnten, sich auf eine Reise ins nördliche Nichts, an die kanadische Grenze zu Alaska, aufzumachen. Der Klondike-Goldrausch war so ein Ding, und er brachte die zugleich ehrgeizigen und verzweifelten Menschen dazu, innerhalb von nur drei Jahren eine Siedlung für 40.000 Einwohner aufzubauen – und das nur, weil es das Gerücht gab, dass in der Nähe Gold gefunden wurde. Als der Ertrag trostlos wurde, fiel die Bevölkerung des Ortes praktisch über Nacht um 80 Prozent. Heute leben rund 1.400 Menschen in Dawson City.

Kangbashi, China

Kangbashi wurde von Politikern in Ordos in der Inneren Mongolei hervorgebracht, um sich bei den Bauträgern einzuschmeicheln und künstlich das lokale Bruttonlandprodukt aufzupumpen. Das basierte auf einem Konzept, das eher nach einer drögen Instagram-Bildunterschrift klingt als nach solider Städteentwicklung: Wenn du die Stadt baust, dann werden die Einwohner schon von alleine kommen. Tatsächlich war Kangbashi von Anfang an eine Geisterstadt und ist immer noch erst auf dem halben Weg, sein Versprechen von 300.000 Einwohnern im Jahr 2023 zu erfüllen.