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Zur Ausstellung »MANTEGNA + BELLINI« MEISTER DER RENAISSANCE in der Gemäldegalerie Berlin vom 01. März bis 30. Juni 2019

Ab dem 1. März 2019 zeigt die Gemäldegalerie im Berliner Kulturforum (in der Nähe des Potsdamer Platzes) eine sehr hochrangige, tolle Ausstellung: »Mantegna + Bellini« Meister der Renaissance. Nun kann ich mir vorstellen, dass so manche/r sisterMAG-Leser/in sofort an die uns oft fremd anmutenden Darstellungen religiöser Mythen denkt und das Interesse an Kenner und Spezialisten delegiert.

Das wäre schade, denn die Lebenszeit von Andrea Mantegna (1431 – 1506) und Giovanni Bellini (1430/35 – 1516) fällt in die Zeit der Frührenaissance in Italien, einer Zeit des Aufbruchs, der kulturellen Erneuerung. Im weströmischen Reich (dazu gehörte die Apenninenhalbinsel) waren die meisten der wissenschaftlichen und kulturellen Werke und Werte der Antike verloren gegangen. Anders im oströmischen, dem Byzantinischen Reich. Von hier waren Gelehrte und Künstler nach Italien gezogen und beförderten mit ihren modernen Gedanken der Antike Technik, Kunst und Wissenschaft. In Folge wurde der Buchdruck erfunden, mechanische Uhren gefertigt, der Bergbau und das Hüttenwesen oder die große Schifffahrt erlangten in ganz Westeuropa einen nie gekannten Aufschwung. Namen wie Christoph Columbus, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Johannes Gutenberg stehen dafür. Und die  bildende Kunst zeigte parallel dazu ihr großes Können. Malschulen in Florenz, Venedig und  Rom entstanden. Eine heiße Zeit, das Quattro- und Cinquecento in Italien!

Schon deshalb muss man diese Ausstellung sehen, denn Mantegna und Bellini waren das Leitgestirn der italienischen Renaissance. Auch die besonderen verwandtschaftlichen Beziehungen beider – Mantegna heiratete 1453 Bellinis Schwester – die daraus über 10 Jahre resultierende Nähe ihres Schaffens und nicht zuletzt das hervorragende Ambiente in der Wandelhalle der Gemäldegalerie werden den Besuch zu einem Genuss machen.

In neuem Licht. Werke in der Wandelhalle
Ausstellungsansicht, Gemäldegalerie
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Das Maltalent Andrea Mantegnas, der aus einfachen Verhältnissen stammt, wurde bereits in der Kindheit erkannt. Seine erste Ausbildung  erhielt er mit vielen Anregungen aus der Antike in Padua. Arbeiten in Verona und Ferrara folgten. Ab 1460 zog er nach Mantua, wo er bis zu seinem Tod Hofmaler am Hofe des Marchese Luigi III. Gonzaga blieb. Mit seinem Schaffen war er aber auch in Florenz, Pisa und Rom in diesen Jahren vertreten. Zahlreiche Werke belegen seine intensive Beschäftigung mit dem Kupferstich. Seine Inspiration durch die Antike lässt sich an vielen Gemälden durch eine natürliche Darstellung der menschlichen Anatomie, würdevolle, ernste Gesichtszeichnung und skulpturenähnlicher Körperformung sehen.

Links: Andrea Mantegna
Grablegung (recto)
Feder in Braun, auf Papier, 13 x 9,5 cm
© Brescia, Musei Civici di Arte e Storia, Archivio Fotografico

Mitte: Andrea Mantegna
Christus als Schmerzensmann, ca. 1495-1500
Leinwand, 78 x 48 cm
© Statens Museen for Kunst, Copenhagen

Rechts: Andrea Mantegna
Bildnis des Kardinal Lodovico Trevisan, 1459/60
Pappelholz, 45,5 x 34,8 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Giovanni Bellini  gehörte einer venezianischen Malerfamilie an. Sein Schaffen war lebenslang mit Venedig verbunden. Er unterhielt eine große Malschule für die zahlreich eingehenden Aufträge. Typisch war in seinem Schaffen die für Venedig bekannte Porträtmalerei und zahlreiche Madonnenbilder betonen das Mutter-Kind-Verhältnis. Die bei Mantegna noch eher zu beobachtende Strenge in den Bildern weicht bei Bellini im Laufe seines Lebens größerer Wärme der Farben und Weichheit der Konturen. Giovanni Bellini wurde zum offiziellen Maler der Republik Venedig ernannt.

Links: Giovanni Bellini (zugeschrieben)
Der Heilige Markus heilt die Hand des Schusters Anianus, ca. 1490
Feder in Braun auf Papier, 18,4 x 17,2 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

Mitte: Giovanni Bellini
Maria mit Kind, ca. 1475
Pappelholz, 76 x 54,2 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Rechts: Giovanni Bellini
Bildnis des Dogen Leonardo Loredan, 1501-02
Pappelholz, 61,6 x 45,1 cm
© The National Gallery, London, erworben 1844

Die hohe Auftragslage verlangte eine rasche Bearbeitung, so dass Bellini häufig bekannte Bildkompositionen neu bearbeitete. Diese Besonderheit wird in der Ausstellung »Mantegna + Bellini« eine gewisse Rolle spielen, da die Nähe beider natürliche künstlerische Anregungen verschaffte, aber auch die „Nachbearbeitung“ eines bereits bekannten Bildes Mantegnas zeigt und das oft erst nach Jahren.

Links: Giovanni Bellini
Die Darbringung Christi im Tempel, ca. 1472
Holz, 80 x 105 cm
© Fondazione Querini Stampalia, Venedig / cameraphoto arte snc

Rechts: Andrea Mantegna
Die Darbringung Christi im Tempel, ca. 1453
Leinwand, 77,1 x 94,4 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Links: Giovanni Bellini
Das Blut des Erlösers, um 1460-65
Pappelholz, 47 x 34,4 cm
© The National Gallery, London

Rechts: Andrea Mantegna
Der Heilige Sebastian, ca. 1459-60
Pappelholz, 68 x 30 cm
© Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

Links: Giovanni Bellini
Maria mit Kind, ca. 1475
Pappelholz, 76 x 54,2 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Rechts: Andrea Mantegna
Maria mit schlafenden Kind, um 1455
Leinwand, 48,4 x 32,2 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche beider Maler sind in Berlin und London besonders zahlreich erhalten. Es ist deshalb ein schöner Erfolg, dass die Staatlichen Museen zu Berlin gemeinsam mit der National Gallery, London das eng miteinander verbundene Schaffen der beiden verwandten Künstler mit insgesamt 100 Arbeiten präsentieren. Erstmals wird damit auch der direkte Vergleich zwischen einer Reihe von Bildern möglich, Unterschiede und Ähnlichkeiten im Schaffen werden herausgearbeitet.

Links: Giovanni Bellini (zugeschrieben)
Der Heilige Markus heilt die Hand des Schusters Anianus, ca. 1490
Feder in Braun auf Papier, 18,4 x 17,2 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

Rechts: Andrea Mantegna
Grablegung (recto)
Feder in Braun, auf Papier, 13 x 9,5 cm
© Brescia, Musei Civici di Arte e Storia, Archivio Fotografico

Noch ein Highlight: Schon ab 14. Oktober 2018 zeigt die Gemäldegalerie in einer Sonderschau »Bellini Plus. Forschung und Restaurierung« Werke Bellinis, die in Vorbereitung der Ausstellung untersucht und restauriert wurden. Umfangreich werden die Schritte der Restaurierung durch Text, Fotos und Kartierungen erläutert.

Links: Giovanni Bellini
Die Darbringung Christi im Tempel, um 1490/95
Detail mit aufgelegter Umrisszeichnung von Andrea Mantegnas
»Die Darbringung Christi im Tempel«, ca. 1454
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Babette Hartwieg

Rechts: Giovanni Bellini (Schule)
Die Darbringung Christi im Tempel, um 1490/95
Pappelholz, 74 x 104 cm, nach Restaurierung
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Links: Giovanni Bellini
Die Darbringung Christi im Tempel
Detail, nach der Restaurierung
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Rechts: Giovanni Bellini (Schule)
Darstellung Christi im Tempel
Detail, UV-Aufnahme nach der Restaurierung
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Der Direktor der National Gallery, London Mr. Gabriele Finaldi schreibt:

„Mantegna als rigoroser Humanist der italienischen Renaissance und Bellini als poetischer Interpret menschlicher Emotionen – komplementärer und damit erhellender könnten diese beiden künstlerischen Visionen nicht sein.“

Die Ausstellung wird zunächst vom 1. Oktober 2018 bis zum 27. Januar 2019 in der National Gallery, London zu sehen sein.

Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance

Eine Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin und der National Gallery London in Kooperation mit dem British Museum
Vom 1. März bis zum 30. Juni 2019
im Kulturforum, Gemäldegalerie, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin-Tiergarten

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 10 bis 18:00 Uhr
Do 10 bis 20:00 Uhr
Sa, So sowie Karfreitung, Ostermontag, 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingstmontag 11 bis 18:00 Uhr

Website: www.mantegnabellini.de
Katalog: im HIRMER-Verlag, 304 Seiten, Buchhandelspreis 39,90 €

Es finden zahlreiche Führungen und Bildungsprogramme statt! (siehe Website)