Follow my blog with Bloglovin

Zur Ausstellung »Wanderlust« in der Alten Nationalgalerie Berlin

Eine große Anzahl eigener Werke zu diesem Thema, zum Teil über Jahrzehnte nicht aus dem Depot gekommen, inspirierte die Verantwortlichen des Museums »das Wandern« thematisch aufzuarbeiten. Schnell sprudelten die Ideen, schnell war man sich einig, dass zur Abrundung bedeutende Gemälde aus anderen Sammlungen dazugehören müssten. Es gelang, absolute Starbilder zu gewinnen: Jedem schon auf Plakaten und Flyern näher gebracht (s.o.), Caspar David Friedrichs »Wanderer über dem Nebelmeer« (Hamburger Kunsthalle) aus dem Jahre 1817, noch nie im Original in Berlin zu sehen.

Die Kuratorin Birgit Vierwiebe gestaltete mit Gemälden aus 42 Gemäldesammlungen und aus privatem Besitz eine Welt des Wanderns aus verschiedenen Sichten. Bilder, nicht chronologisch geordnet, sondern dem Thema verpflichtet, nehmen Stellung zu »Entdeckung der Natur«.

Entdeckung der Natur
Karl Friedrich Schinkel
Felsentor, 1818
Öl auf Leinwand
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders
Künstlerwanderung
Moritz von Schwind
Die Rose oder Die Künstlerwanderung, 1846/47
Öl auf Leinwand
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger
Sehnsuchtsland Italien, Wanderlandschaften nördlich der Alpen, Spaziergänge und Lebensreise.
Emil Nolde
Winter, 1907
Öl auf Leinwand, 73 x 88 cm
Nolde Stiftung Seebüll
© Nolde Stiftung Seebüll

Die Wanderung durch unser Leben stellt sich bildlich ganz natürlich und gleichsinnig neben die der Naturdarstellungen.

Das Gros der Gemälde stammt aus dem 19. Jahrhundert, es fehlt nahezu kein Maler aus dieser Zeit. Spannend sind Zugaben aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das romantisch geforderte Auge nimmt mit Freude (oder gar mit Entspannung?) auch einen Ernst Ludwig Kirchner mit seiner Sicht des Wanderns auf.

Ernst Ludwig Kirchner
Sertigtal, 1926
Öl auf Leinwand, 150,5 x 75,5 cm
Bündner Kunstmuseum Chur
© Bündner Kunstmuseum

Interessant sind Bilderbeziehungen, Abhängigkeiten, die so noch nie zusammen, nebeneinander zu sehen waren. So von Gustave Courbet »Bonjour Monsieur Courbet« (1854) und das in der Folge entstandene Bild Paul Gaugins »Bonjour Monsieur Gaugin« (1889). (Leider ist Gaugins Bild nur bis zum 3. Juni zu sehen!!)

Links:Paul Gauguin
Bonjour Monsieur Gauguin
1889 Öl auf Leinwand, 92,5 x 74 cm
Nationalgalerie Prag © Nationalgalerie Prag

Rechts: Gustave Courbet
Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet
1854 Öl auf Leinwand, 132 x 150,5 cm,
Musée Fabre, Montpellier © Musée Fabre de Montpellier Méditerranée / Frédéric Jaulmes

Ähnlich ist die Beziehung zwischen dem »Wanderer über dem Nebelmeer« von Caspar David Friedrich und dem Gemälde »Wanderer auf Bergeshöh« seines Freundes Carl Gustav Carus. Der Ausstellungsrundgang lüftet das Geheimnis dieser Bilderbeziehung.

Links: Caspar David Friedrich
Wanderer über dem Nebelmeer,
um 1817 Öl auf Leinwand, 94,8 x 74,8 cm
Hamburger Kunsthalle
© SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk / Elke Walford

Rechts: Carl Gustav Carus
Wanderer auf Bergeshöh,
1818 Öl auf Leinwand, 43,2 x 33,7 cm,
Saint Louis Art Museum, Museum Shop Fund Courtesy Saint Louis Art Museum

Das 19. Jahrhundert war politisch (Wiener Kongress oder 1848), wirtschaftlich (Industrialisierung, Eisenbahnbau) und philosophisch ein unruhiges Jahrhundert. Wissenschaftliche Naturbetrachtungen (z.B. durch Humboldt) förderten das Interesse an Wald, Bergen und Seen, die Natur wurde zum Begriff für Entschleunigung und Geruhsamkeit. Wir heute verstehen das nur zu gut.

Hans Thoma
Einsamkeit, 1906
Öl auf Karton
© Sammlung Landesbank Baden-Württemberg / Heinz Pelz

Nicht zuletzt stand an der Grenze zum 19. Jahrhundert ein Jean-Jacques Rousseau auf und forderte in seinem Roman »Emile oder über die Erziehung« eine natürliche und kindgerechte Erziehung (»Zurück zur Natur«). In der Ausstellung begegnen wir ihm erst im letzten Raum, ein Aufforderung es ihm nachzutun?
Eine schöne, eine andere, eine empfehlenswerte Ausstellung!

10.05.–16.09.2018
Alte Nationalgalerie
Staatliche Museen zu Berlin
Bodestraße 1-3
10178 Berlin

Di bis Sa 10 bis 18:00 Uhr
Do bis 20:00 Uhr
So 10-18:00 Uhr

Umfangreiches Rahmenprogramm, Katalog für 29 Euro

Kommentare

Kommentar abgeben