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8. TRIENNALE der PHOTOGRAPHIE in HAMBURG – „Currency“: Photography Beyond Capture – 20. Mai 2022 18. September 2022

Charlotte March: Jersey-Mode in rot und weiß für „twen“, 1969
Farbfotografie, Cibachrome
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg
Copyright: Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

In Hamburg findet in diesem Jahr die 8. Triennale der Photographie statt. Das ist kein Zufall. In Hamburg lebte und wirkte Franz Christian Gundlach (1926 – 2021), einer der bekanntesten Fotografen Deutschlands. Neben unzähligen anderen Aktivitäten gründete er 1976 die erste reine Fotogalerie in Deutschland (Professional Photo Service Galerie F.C.Gundlach), gründete 1993 den Arbeitskreis Photographie in Hamburg für Ausstellungen und Symposien und war 1999 der Initiator der ersten Hamburger Triennale der Photographie. Mit dieser Initiative führte er alle Hamburger Museen zusammen, sich aller 3 Jahre der modernen Fotografie zu widmen. 

Rasha Salti, Gabriella Beckhurst Feijoo und Koyo Kouoh, Kurator*innen der Ausstellungen der 8. Triennale
© Philipp Meuser
Copyright: © Philipp Meuser

Die aktuelle 8. Triennale steht unter dem Thema „Currency – Währung“. Das verwundert im ersten Moment, aber so wie das Wort ist auch das Bild zur wertvollen Information geworden, zur Ware, die erzählt, verurteilt, lenkt, mahnt, eingreifen kann. In welcher dieser Formen aber das Bild auf uns wirkt, hängt von unserer Interpretation ab. Die Bedeutung eines Bildes wird ihm verliehen und anschließend in uns gespeichert. Es wird zur Grundlage, wie wir uns mit der uns umgebenden Welt auseinandersetzen.  Es ist also schon eine berechtigte Frage, wie die „Währung“ Fotografie unser Erleben erreichbar macht, wie sie beeinflusst und Macht ausübt. Ihr Inhalt, Entstehen und die Flut täglich neuer Bilder führt zwangsläufig zu einer anderen Form des Betrachtens und Reagierens auf diese bildlichen Informationen. Die daraus folgende, notwendige Auseinandersetzung mit der Fotografie „jenseits der Aufnahme“, „was steht dahinter“,  („Currency: Photography Beyond Capture“) ist der kuratorische Ansatz für die 8.Triennale. Die Ausstellung beleuchtet kritisch, wie der fotografische Apparat im Laufe seiner Geschichte hierfür eingesetzt wurde, welche Wege und Ideen Fotografinnen und Fotografen früher und jetzt beschritten haben .

Das Bild ist seit über 100 Jahren präsent, unbemerkt, und das immer mehr, denken wir in Bildern, die uns täglich durch die verschiedensten Medien präsentiert werden. Das „retinale Zeitalter“ hat begonnen!

Die 8. Triennale für Photographie ist eine Mammutveranstaltung. In 12 Ausstellungen zum Thema „Currency“, die sich auf die verschiedensten Hamburger Museen verteilen, zeigen 77 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten. Die Liste der Künstlerinnen und Künstler ist online unter www.phototriennale.de/de/#artists abrufbar. Da vom 2. bis 6. Juni 2022 dazu ein Festival stattfindet, über die Triennale Expanded weitere Hamburger Fotografinnen und Fotografen einbezogen werden, zahlreiche Führungen und Veranstaltungen stattfinden, ist es ein photografisches Fest für die ganze Stadt Hamburg mit nationaler und internationaler Ausstrahlung.

RaMell Ross
Man (which is his nickname), 2019,
from the series South County, AL (a Hale County), 2012-present.
© RaMell Ross
Copyright: © RaMell Ross

Für das Themenspektrum der digitalen Zeitung „sisterMAG“ ist das Werk der Fotografin Charlotte March (1929 – 2005) von besonderem Interesse. Wir haben sie in der Sammlung Falckenberg besucht. 

Charlotte March: Donyale Luna mit Schmuck für „twen“, 1966
Schwarzweißfotografie, Baryt, 30 x 40 cm
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg
Copyright: Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

Charlotte March war bekannt als Modefotografin vor allem in den 60iger bis 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wer Leser der großen internationalen Modezeitschriften in dieser Zeit war, kannte ihre moderne, ungezwungene Herangehensweise. Aber ihr Spektrum war vielfältiger. Sie hatte Modezeichnen und Graphik an der Alsterdammer Kunstschule in Hamburg studiert, entschied sich aber im Alter von 27 Jahren für die Fotografie. Sie zog los und fotografierte – Hamburg! Im Focus standen nicht die glamourösen Viertel, sondern sie hielt fest, was sich abseits, auch hinter den Kulissen abspielte. Sie schuf damit unvergessliche Zeitdokumente. 

Charlotte March: Hamburg, 1955
Schwarzweißfotografie, 24 x 30 cm
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg
Copyright: Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

Charlotte March arbeitete mit schwarzen Models – in den Fünfziger Jahren eine Seltenheit. Ihre fachlich hochwertige Arbeit fand sehr schnell in den Redaktionsstuben der noblen Modejournale Beachtung. Immer größer wurde der Kreis einschlägiger Zeitungen, die sie bedienen sollte. Sie fotografierte einfach anders, progressiver. Ihre fotografierten Frauen rauchten, machten Werbung für Dinge, die eigentlich den Männern „gehörten“.

Mit ihrem freien Blick für die Dinge dieser Welt proklamierte sie ein neues, ja revolutionäres, ungebundenes  Lebensgefühl. 

Charlotte March: Bademode für „twen“
Models: Anita Pallenberg, Jean-Loup de Sauverzac, Jean-Claude Biacciana, 1965
Schwarzweißfotografie, Baryt
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg
Copyright: Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

Anläßlich seiner Ausstellung „F.C. Gundlach. Das Fotografische Werk“ 2009 in Berlin sagte Gundlach:

„Als Modephotograph … muß der Photograph ganz in seiner Zeit leben, denken und fühlen …. “
https://de.wikipedia.org/wiki/F._C._Gundlach

Manju Sawhney, Fotografin und langjährige Assistentin von Charlotte March bestätigte es indirekt, in einem Interview mit Ulrich Rüter berichtet sie: 

„Charlotte und Balduin (Baas, ihr Lebensgefährte) waren immer bestens informiert über Musik, Trends und Moden, kannten die neuesten Filme und Bücher. “
Presseunterlagen für die 8. Triennale der Photographie in Hamburg, Interview mit Manju Sawhney durch Ulrich Rüter

1998 zog sich Charlotte March aus dem professionellen Tagesgeschäft zurück. Gemeinsam mit Manju Sawhney begann das große Sortieren und Ordnen der über 30 000 Werke. Das war schwierig, denn in ihrer aktiven Zeit legte Charlotte March wenig Wert auf das Beschriften und Bewahren ihrer Arbeit. Die Hilfe kam nach ihrem Tod 2006 von Harald Falckenberg. Er bot überaus großzügig seinen Beistand an. So konnte der komplette Nachlass gerettet und bis jetzt aufgearbeitet werden.

Charlotte March: King’s Road, London, 1972
später in Stern-Reportage veröffentlicht
Schwarzweißfotografie, Baryt, 24 x 31 cm
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg
Copyright: Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

Die aktuelle Werkschau in der Sammlung Falckenberg zeigt im Rahmen der Hamburger Triennale 300 Werke von Charlotte March von ihren frühen dokumentarischen Fotografien im Hamburg der 1950er-Jahre über Aufnahmen von ihren Aufenthalten auf der Insel Ischia bis hin zu den späteren internationalen Mode- und Werbeaufträgen.

Es wird für viele eine Neuentdeckung werden. 

Neben Goesta Diercks und Dirk Luckow, die die Ausstellung kuratiert haben, bekommt die Werkschau durch die enge Mitarbeit der ehemaligen Assistentin von Charlotte March, der Fotografin Manu Sawhney einen sehr persönlichen Charakter. Weitere Werke der Sammlung Falckenberg begleiten Charlottes Marchs Lebenswerk. 

Sammlung Falckenberg
20. Mai – 04. September 2022

Jeden Sonntag geöffnet!
Die Ausstellung ist jeden Sonntag von 12 – 17 Uhr geöffnet.
Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

Besuch für die Triennale planen unter:

https://www.deichtorhallen.de/besuch

Weitere Informationen zu den Ausstellungen des Triennale-Parcours auf

www.phototriennale.de/de/#parcours

Weiter Informationen zur 8. Triennale der Photografie Hamburg 2022 auf

www.phototriennale.de